Musikzauber-Franken-Claviersalon2014 ........CD Pyramide im Goethehaus Frankfurt


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Kurse, Workshops und Masterclasses im Claviersalon Miltenberg
Clavier-Kurse..
clavier


24. Mai 2014
Stehende Ovationen für Hammerklavier-Musik
Konzert: Pianist Mikayel Balyan und Cellist Davit Melkonyan beweisen mit Sylvia Ackermann ihr künstlerisches Vermögen

Das Besondere zu pflegen und im Rahmen dessen dem Publikum hochvirtuose Musik in einem anheimelnden Ambiente mit wertvollen Instrumenten zu bieten, das hat sich der »Claviersalon Miltenberg« mit den beiden Protagonisten Sylvia Ackermann und Georg Ott auf seine Fahnen geschrieben.


Sternstunde der Musik
Am Samstagabend gab es wieder eine Sternstunde der Musik auf der Mildenburg, gestaltet von dem Pianisten Mikayel Balyan und dem Cellisten Davit Melkonyan, zwei aus Armenien stammende Musiker, die das Publikum mit hohem künstlerischem Vermögen und sympathischer Ausstrahlung begeisterten und zu stehenden Ovationen hinrissen.
Im ersten Teil spielte Mikayel Balyan auf einem Hammerflügel von Melchior Guante aus dem frühen 19. Jahrhundert im Duett mit Davit Melkonyan am Cello Werke von Bernhard Romberg und Ludwig van Beethoven. Später folgte der Wechsel zu dem im Jahr 1835 von Aloys Biber gebauten und von Georg Ott restaurierten Hammerflügel, auf dem das wohl eindrucksvollste Stück des Programms präsentiert wurde. Es war ein Erlebnis, das nicht alle Tage geboten wird: vierhändig von zwei herausragenden Pianisten, Mikayel Balyan und Sylvia Ackermann gespielt, mit einem glänzenden Cellisten Davit Melkonyan an der Seite in perfekter Homogenität und berauschend schöner künstlerischer Ausgestaltung.
Hierbei kann man in der Tat von einer echten Rarität sprechen, denn das letzte Stück des Konzerts, ein Divertissement - wörtlich übersetzt »Zeitvertreib« - von Friedrich Wilhelm Grund, bestach nicht nur durch die ungewöhnliche Besetzung mit vierhändigem Spiel auf dem Flügel, ergänzt und begleitet durch die schöne Klangfarbe des Cellos, sondern in seiner Interpretation voll musikalischer Leidenschaft und virtuoser Kraft. Wunderbare Musik wurde geboten, die sonst kaum bei Konzerten zu hören ist. Völlig unverständlich für jene, die am Samstag in diesen seltenen Genuss kamen. Für sie war nachvollziehbar, dass Robert Schumann die Werke seines Zeitgenossen Grund in den höchsten Tönen gelobt und von dieser mitreißenden Musik geschwärmt hatte.
Vorausgegangen waren dem Divertissement eine Sonate von Friedrich Wilhelm Grund und Musikstücke von Bernhard Romberg und Ludwig van Beethoven, die der Frühromantik zugeordnet werden. Am Samstagabend wurde klar, dass romantische Musik völlig unterschiedlich sein kann. Damals wie heute drücken viele Kompositionen die Befindlichkeiten ihrer Schöpfer aus.
Rasantes Tempo
Während die Sonate von Romberg mit vielen tänzerischen Elementen ausgestattet war und sich rasantes Tempo in schneller Notenfolge mit weich dahin fließenden Tönen abwechselte, war die Beethoven-Sonate in B-Dur mit Dramatik und aufwühlenden Elementen angereichert. Kurz gesprochen: Ein musikalischer Temperamentsausbruch. Der Bogen flog nur so über die Celloseiten, und der Pianist hatte alle Hände voll zu tun, um dem Hammerflügel die ausdrucksstarken Tonfolgen abzuringen.
Mit dem Pianisten Mikayel Balyan und dem Cellisten Davit Melkonyan wurde den Gästen eine wundervolle Bereicherung zuteil, die in der Ergänzung durch Sylvia Ackermann nach einem sonnigen Tag einen glanzvollen Abschluss mit musikalischem Hochgenuss bereitete. Ruth Weitz

6. Apr. 2014 Wolfgang Brunner - Tangentenflügel

MILTENBERG. Es gibt Konzerte, die sind in sich so rund, dass jede Zugabe dieses Gefühl der Vollkommenheit zunichte machen würde. Solch eine Entscheidung erfordert ein verständiges Publikum.


Auf ein solches konnte der renommierte Salzburger Fortepianist Wolfgang Brunner am Sonntag auf der Mildenburg zählen, als er soeben das heftige »Erdbeben« am Klavierflügel beendet hatte und damit den letzten Satz von Joseph Haydns Klavierzyklus »Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz«.

Langsame, meditative Sätze


Mit Wolfgang Brunner haben die Claviersalon-Betreiber Sylvia Ackermann und Georg Ott wieder einen außergewöhnlichen Beherrscher historischer Tasteninstrumente für das passende Ambiente gefunden: Brunner spielte im historischen Rittersaal der Mildenburg. auf einem Tangentenflügel von Christoph Friedrich Schmal aus dem Jahr 1790. Für das Konzert hatte sich der Gründer der Salzburger Hofmusik die Passionsmusik ausgesucht, die Haydn einst als Auftragswerk für die aufwendige Karfreitagszeremonie der Domherren von Cádiz komponierte. Der Auftrag lautete: sieben langsame, meditative Sätze für jedes der letzten Worte Jesu zu komponieren.

Genauso wie Haydns sieben Adagios 1785 das Publikum nicht ermüden, weckt auch der Pianist und Interpret fast 230 Jahre später Gefühle und Eindrücke, die in den letzten sieben Worten Jesu gelegen haben mögen. Als hilfreich für die 40 Zuhörer erwiesen sich die fachkundigen Einführungen, mit der Brunner vor jedem Satz hinter die kompositorischen Kulissen blicken ließ und die das Werk Haydns in seiner existenziellen wie spirituellen Bedeutung auch heute noch fürs Publikum erfahrbar machen.

So spiegelt sich mit dem punktierten Rhythmus und den dynamischen Kontrasten schon in der Introduktion, dem Maestoso ed adagio in d-moll, die Tragik einer Ouvertüre. Die Sonata 1, ein Largo, »Pater, dimitte illis - Vater, verzeihe ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun«, ist die düstere Vertonung der innigen Bitte um Vergebung. Die Sonata 2, »Hodie mecum eris in Paradiso - Heute wirst du mit mir im Paradiese sein« ist ein langgezogenes, intensives Motiv in c-moll, das Brunner im pochenden Rhythmus spielt, während er die paradiesische Komponente in Es-Dur mit sanftem Alberti-Bass spielt.

Die Sonata 3 «Ecce Mulier, filius tuus, et tu, ecce mater tua - Weib, siehe hier: dein Sohn; und du, siehe hier: Deine Mutter«, ist ein inniges, fast zärtliches Stück, dessen Hauptmotiv in Terzen und E-Dur Liebe und Zärtlichkeit charakterisiert, während die schwebenden Dissonanzen Ausdruck des Schmerzes sind.

Die Sonata 4 »Deus meus, et quid dereliquisti me - Vater, Vater, warum hast du mich verlassen?« ist eine pathetische Melodie in f-moll mit barocken Vorhaltdissonanzen. In der Sonata 5 »Sitio - mich dürstet« drückt sich die existenzielle Bedeutung von Wasser als Lebensquell aus: Haydn beginnt das Adagio mit trockenen, einfachen Terzen, und Brunner entlockt seinem Instrument mitleidserregende Seufzer und ein hörbares Hinaufreichen: Der Pianist verweist hier auf die entsprechende Bibelstelle, als Jesu schließlich einen mit Wein getränkten Schwamm bekommt. Den vorletzten Satz, »Consumatum est - Es ist vollbracht«, komponierte Haydn mit Oktaven, ein einfaches, klares Motiv, das aber auch Dissonanzen aufweist: Ein Spiel mit Spannungsaufbau und Lösungen, der Frage nach dem Opfer und einem wunderbaren, hoffnungsvollem Erlösungsmotiv. In der Sonate 7 «Pater, in manus tua, Domine, comendo spiritum meum - Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist« drückt sich in Es-Dur eine überraschende Figur als Symbol für Vollkommenheit, Liebe und Geborgenheit aus. »Il Terremoto - Das Erdbeben«, spielt Brunner heftig und schnell, so dass die bewegten Zuhörer die Ausbrüche auf dem Holzdielenboden regelrecht zu spüren bekommen. Ein runder Abschluss eines Zyklus, dem nichts hinzuzufügen ist - auch keine Zugaben. Sylvia Breckl



1. Jan. 2014
Neujahrskonzert zaubert frühklassischen Claviersalon nach Miltenberg
Sylvia Ackermann und J.Marc Reichow begeisterten Musikfeinschmecker mit einem Musikmenü vom Feinsten


Hochkonzentriert und mit mitreißender Spielfreude zelebrierten Sylvia Ackermann und
J.Marc Reichow am Hammerflügel vom 1795 vierhändig Mozarts D-Dur Sonate.

Miltenberg. Für gut zwei Stunden verwandelte sich der Bürgersaal des Alten Rathauses in einen stim-mungsvollen Klaviersalon des 18.Jahrhunderts, versetzte rund 150 Musikfreunde knapp 300 Jahre in der Zeit zurück und ließen sie Klaviermusik vom Allerfeinsten genießen. Es stimmte einfach alles, um die schöne Illusion beim Neujahrskonzert zu wahren: zwei Hammerflügel – links das „Luxusmodell“ in Ma-hagoni aus der Werkstatt Guante aus Münster von 1795, rechts ein süddeutscher Flügel von 1810 – rahm-ten das Tafelklavier aus der Werkstatt Schmahl in Ulm ein, das viele Musikfreunde noch von Konzerten im Rittersaal in bester Erinnerung haben.

Und am wichtigsten natürlich: Zwei Stunden lang zog Musik aus dem 18.Jahrhundert durch den stim-mungsvoll beleuchteten Bürgersaal: An den Hammerflügeln Musik der vier überlebenden Bachsöhne, die erfolgreich auf den Spuren ihres Vaters gewandelt sind, – mal an zwei Klavieren, mal zu vier Händen, mal als Solo. Und dazu am Tafelklavier ein getragenes Andante von Bachs Neffen Wilhelm Friedrich Ernst, der 1845 als „letzter musikalischer Bach“ starb.
 
Die Bühne des Bürgersaales verwandelte sich beim Neujahrskonzert zu einem Klaviersalon des 18.Jahrhunderts, als J.Marc Reichow und Sylvia Ackermann mit dem Johann Christian Bachs
G-Dur Sonate für zwei Klaviere interpretierten.

Sylvia Ackermann und J.Marc Reichow, beide als Virtuosen auf historischen Tasteninstrumenten deutsch-landweit renommiert, nahmen die mucksmäuschenstillen Zuhörer mit auf eine spannende Reise durch alle Facetten der Klaviermusik zwischen Barock und Klassik, beeindruckten vor allem mit dem raffinierten, differenzierten „Duetto“ von Wilhelm Friedemann, des ältesten überlebenden Sohnes Bachs. Man konnte ahnen, warum dieses Werk lange in der Literatur dem Vater zugeschrieben wurde. Besonders viel Beifall bekam der „Jubilar“ des Abends, Carl Philipp Emanuel, dem Sylvia Ackermann mit ihrer perfekten Versi-on seiner „Fantasie ‚CPE Bachs wahre Empfindungen’“ das schönste Geschenk zum 300.Geburtstag machte, das sich denken lässt. Da brauchte es gar keine langen Erklärungen, um zu verstehen, warum die-ser Bachsohn als „Erfinder“ der musikalischen Empfindsamkeit galt und warum er vom Interpreten seines Stück verlangte: „Aus der Seele muss er spielen“. Sylvia Ackermann tat das und zwar so, dass echtes Ge-fühl hörbar und jedes Pathos vermieden wurde.

Reichow und Ackermann hatten spürbar viel Spaß bei ihrer Musikreise und dieser Spaß übertrug sich nahtlos auf die Zuhörer, auch als die beiden Pianisten vor und nach der Pause bewiesen, dass auch Mo-zarts Kompositionen auf den historischen Instrumenten zu höchster Wirksamkeit kommen können, wenn diese Instrumente von echten Könnern gespielt werden und von einem Restaurator der Spitzenklasse wie Georg Ott in „Bestform“ gebracht werden. Vor allem die Allegrosätze erklangen in einer selten zu hören-den  Frische und Lebendigkeit, die beste Stimmung und spürbare Lockerheit ins Alte Rathaus zauberten.
 
Lohn für große Sachkunde und zugleich stimmungsvoller Abschluss des Neujahrskonzerts: Die Zuhö-rer konnten am Ende zu den Walzerklängen von „An der schönen blauen Donau“ in neue Jahr tanzen – 2.von links der Restaurator Georg Ott.

Dass die Qualität des Publikums gut zur Qualität des Konzerts passte, bewiesen die Zuhörer nach den fa-cettenreichen „hiut piéces“ von Carl Maria von Weber, als sie einen Quiz mit Bravour bestanden. Acker-mann und Reichow entlockten beiden Hammerflügeln zum Abschluss moderne Harmonien und die Besu-cher erkannten schnell die Komponisten: Eric Satie und Leonard Bernstein. Der Lohn für so viel Sach-verstand: für die Gewinner Sekt und Freikarten, für alle aber die  Walzerklänge „An der schönen blauen Donau“, zu denen Dutzende von Paaren in das Neue Jahr tanzten und damit ein rundum gelungenes Neu-jahrskonzert der ganz besonderen Art stimmungsvoll abrundeten.

Heinz Linduschka

Zahlen und Fakten: Musikerfamilie Bach

Bach hatte insgesamt zwanzig Kinder: fünf Söhne und zwei Töchter aus der ersten Ehe mit Maria Barbara Bach sowie sechs Söhne und sieben Töchter aus der zweiten Ehe mit Anna Magdalena Bach. Die Hälfte der Kinder starben vor dem 3. Lebensjahr. Fünf der sechs Söhne, die das Erwachsenenalter erreichten, wurden Musiker, von denen vier als Komponisten zeitweise den Ruhm des Vaters übertrafen und bis heu-te aufgeführt werden: Wilhelm Friedemann Bach (1710 – 1784); Carl Philipp Emanuel Bach (1714 – 1788); Johann Christoph Friedrich Bach (1732 – 1795) und Johann Christian Bach (1735 - 1782).

Carl Philipp Emanuel Bach, der zweitälteste überlebende Sohn auf Bachs erster Ehe, ist zweifellos der berühmteste der Söhne und genoss im 18.Jahrhundert höchste Anerkennung in den protestantischen Län-dern im Deutschen Reich. Seit Taufpate war Georg Philipp Telemann, dem er 1768 als städtischer Musik-direktor und Kantor am Johanneum in Hamburg nachfolgte. Joseph Haydn lobte den 1715 geborenen Bachsohn mit den Worten: „Wer mich gründlich kennt, der muss finden, dass ich dem Emanuel Bach sehr vieles verdanke, dass ich ihn verstanden und fleißig studiert habe.“
Das Neujahrskonzert in Miltenberg war das erste Jubiläumskonzert in einer ganze Reihe von Veranstal-tungen, mit denen heuer der 300. Geburtstag Carl Philipp Emanuel Bachs deutschlandweit gefeiert werden soll. Informationen im Internet: www.cpebach.de.
Informationen zum Claviersalon: www.claviersalon.de. Dort findet sich auch der Hinweis auf den För-derverein, der die Arbeit des Claviersalons erst möglich macht. Seine Aufgabe bestehe darin,   „Konzerte und Festivals jenseits konventioneller Konzertkultur lebendig zu genießen und zu gemeinsam gestalten“. Mitgliedsbeiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar. Informationen und  Spendenquittungen gibt es unter Tel: 09371 959786 oder per e-mail:
claviersalon@web.de.“
Der Vorstand des „Claviersalon e.V.“: 1.Vorsitzender Georg Ott, 2.Vorsitzende Sylvia Ackermann, Kas-sier: Eva-Maria Stiller. Jahresbeitrag: 40 Euro. Ermäßigt: 30 Euro, Juristische Personen: 60 Euro.
hlin

10. Nov. 2013

Miltenberg An diesem Herbstabend war alles auf Romantik aus: Selbst die Pflaumen im Speckmantel, die Kürbissuppe und der Wein, der den Zuhörern in der Pause serviert wurden, standen irgendwie im Zusammenhang mit den berauschend-betörenden Musikstücken von Clara und Robert Schumann.
Romanzen war denn auch das Stichwort des gleichermaßen gefühlsbetonten wie gemütlichen Abends, den das Publikum im Claviersalon Miltenberg am frühen Sonntagabend genoss.
Sylvia Ackermann, die den Salon in der Altstadt mit viel Liebe zu historischen Tasteninstrumenten betreibt, hatte den in ganz Europa tourenden Pianisten Tobias Koch für den Romanzenabend gewinnen können: Auf dem Programm standen ausschließlich Werke, die Robert Schumann für seine Clara, respektive die damals schon bekannte Clara Wieck für ihren Robert, später auch für ihren Bewunderer Johannes Brahms geschrieben hatte.
Unromantische Romanze
Bei Kaminfeuer und Lüsterschein schwelgten die Zuhörer zu den schwärmerisch-verträumten Klängen, die Koch dem Hammerflügel um 1840 von Alois Biber zu entlocken wusste. Ganz nah am Instrument nahm der Pianist die Zuhörer mit auf eine Suche nach der Romanze schlechthin und stellte am Ende fest: Den Inbegriff der Romanze im Sinne von Mozart gibt es bei den Schumanns nicht. Vielmehr sind sämtliche der lyrisch-romantischen Musikstücke in sich höchst vielseitig und heterogen.
Ein Beispiel für die wohl lauteste, wildeste und unromantischste Romanze gab es gleich zu Beginn mit dem Scherzo, Gigue, Romanze und Fughette aus dem Opus von 1841 - ein schnelles, ungestümes Stück, das Koch mit der gebührenden Leidenschaft spielte, die der einst wohl seelisch sehr bewegte Schumann angesichts von Clara Wiek empfunden haben mag, die er ein Jahr zuvor gegen den Willen ihres Vaters geheiratet hatte.
Lebendig, virtuos und voller Intensität spielte Koch die Emotionen, riss den Zuhörer aus seinen Gedanken in die nächste Flut aufregender Sinnesreize und entlockte den historischen Tasten sprudelnde Gefühlsausbrüche, die manchmal leise, gemäßigt und schwärmerisch daherkamen, genauso häufig aber auch überbordenden Liebesbeweisen gleichkamen.
Musikalisch-lyrische Einblicke
Im zweiten Teil des Abends wechselte der Pianist auf ein anderes Prachtexemplar des Claviersalons: Auf dem dunkel und grundtönig klingenden Ignaz Bösendorfer Flügel von 1845 spielte der Klaviervirtuose den energetisch-lebhaften wie fantasievollen Faschingsschwank aus Wien sowie drei Romanzen von Clara Schumann, die ihrem Verehrer Johannes Brahms gewidmet waren. Tobias Koch wie Sylvia Ackermann führten wie immer charmant und versiert durchs Programm und ließen das Publikum auch an dem Briewechsel aus der Zeit der Verlobung und der jungen Ehe teilhaben - eine künstlerisch besonders inspirierende Zeit für die Komponisten. Inspirierend auch für das Publikum, das diesen musikalisch-lyrischen Ausschnitt aus der Zeit zweier Komponisten der Romantik sehr zu schätzen wusste. Sylvia Breckl
25. Aug. 2013
»El Delphin de Musica« ein Stück vom Glück auf alten Instrumenten

"Zu Alter Musik muss man einiges wissen. Zum Beispiel für wen sie gespielt wurde und vor allem auf was.

Das Konzert
»El Delphin de Musica« des Claviersalon Miltenberg war in dieser Hinsicht ein ganz außergewöhnliches: Der Delfin erscheint seit der Renaissance in der Ornamentik von Musikinstrumenten, um jene Menschen zu den Geheimnissen der Musik zu führen, die sich ihr ganz hingeben.
So geschehen auch am Sonntag in der bis auf die letzte Bank besetzte Bürgstädter Martinskapelle: Der Wiener Musikprofessor Josef Stolz musizierte auf Einladung des Miltenberger Claviersalon auf zwei außergewöhnlichen alten Instrumenten: Der italienischen Prozessionsorgel von Augustinus Traeri von 1755 und einem originalgetreuen italienischen Spinett aus dem 16. Jahrhunderts.
Werke aus der Zeit um 1600
Das interessierte Publikum hatte zwar die meisten der auf dem Programm stehenden Komponisten teils nie gehört. - die Werke wurden um 1600 komponiert und passten vorzüglich zum Ambiente der Martinskapelle, deren außergewöhnliche Innenbemalung ebenfalls aus dem Ende des 16. Jahrhunderts stammt.
Doch als Spezialist für historische Tasteninstrumente gab der Bilderbuch-Österreicher mit echtem Wiener Charme kuriose Einblicke in den zeitgenössischen Kontext der wertvollen Instrumente. Stolz hatte außerdem seinen Schüler, Countertenor Stefan Piewald, mitgebracht.
Beide Solisten gaben eine Vorstellung davon, wie sich Alte Musik sowohl in großen Adelshäusern als auch für die bürgerliche Hausmusik anhörte - in beiden Fällen gedacht fürs »private Glück«, so der Wiener Musikwissenschaftler.
Zu hören bekam das Publikum alte Tanzmusik und wunderbare Melodien von Komponisten wie den Nürnberger Paul Hofhaimer und dem Venezianer Marco Facioli. Das Fundamentum magistri Conradi Paumann aus dem Buxheimer Orgelbuch um 1460 war laut Stolz »das älteste, was uns aus der Orgelmusik überliefert ist«.
Spiel auf der Prozessionsorgel
Die zum Teil von Piewald gesungenen Frottolen von Andrea Antico von 1517 waren der erste Musikdruck überhaupt. Stolz: »So hört sich Entertainment um 1500: Ganz artifizielle Kunst mit höchstem Anspruch.« Der Wiener spielte auf der Prozessionsorgel - ein Original erhaltenes, zerlegbares Schmuckstück aus Zeiten des italienischen Barock - scheinbar mühelos das als technisch sehr anspruchsvoll geltende Doppelgriffspiel - »eigentlich eine Stufe der Hochvirtuosität, damals reine Unterhaltung«. Archaischer, profan und fast schon gotisch muteten hingegen die Werke des Organisten von Maria Zell aus der Orgeltabulatur des Leonhard Kleber und von Heinrich Isaac an.
Spanien, Portugal, Südamerika
Im zweiten Teil nahm der Musikwissenschaftler das andächtig lauschende Publikum auf eine Reise zu den spanischen, portugiesischen und südamerikanischen Komponisten, wie Antonia de Cabezón und Padre Manoel Rodrigues Coelho. Die hatten sich im 16. Jahrhundert vorwiegend mit dem Spinett beschäftigt. In der Martinskapelle konnten die Konzertbesucher die Musik auf einem originalgetreuen Nachbau bewundern, angefertigt vom Diplom-Restaurator des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg Georg Ott, der auch die Fäden für die händisch betriebene Prozessionsorgel zog.
Stolz entlockte dem mitteltönig gestimmten Instrument reine Intervalle, leicht hingeworfene Fantasien und schräg klingende Variationssätze des Spaniers Luis de Narváez und ein fast Sambarassel-anmutendes Stück von Fr. Bartolomeu de Olagué. »El Delphin de Musica« - ein Stück vom Glück auf alten Musikinstrumenten - die Veranstalter hatten nicht zu viel versprochen, wie der anerkennende Applaus belegte.
Sylvia Breckl für den Boten vom Untermain

20. Juli. 2013
Lyrische Texte, leckeres Essen, guter Wein, laue Temperaturen, sternenklarer Nachthimmel und romantische Musik sind die Komponenten für eine lauschige Claviersommernacht à la Sylvia Ackermann. 45 Gäste fanden sich im romantischen Hinterhöfchen des Miltenberger Claviersalons am Samstagabend ein.


Die Pianistin holte sich für diesen Abend den Nürnberger Flötisten und
Rezitator Michael Kämmle und die Sopranistin Barbara Bieber aus Würzburg.
Vom Speicher ins Rampenlicht
29 Grad zu Beginn des Abends: Einige Damen wedelten sich Luft mit Fächern zu. Die Gäste, die zunächst im Höfchen Platz nahmen, wurden mit Bruschetta Tomate oder Fenchel-Olive sowie einem Sekt in den Claviersalon hineingeleitet. Dort erwartete sie der Mittelpunkt des Abends: Einen um 1790 erbauten Tangentenflügel aus der Klavierwerkstatt Späth und Schmahl aus Regensburg. Es handelt sich um eine Mischung aus einem Fortepiano und einem Cembalo. Dieses Instrument ließ Druckereibesitzer Johann Esaias von Seidel aus Sulzbach auf einen Dachboden bringen, als er für seine Gattin Rosina einen noch prächtigeren Flügel kaufte. Erst 2010, mehrere Generationen später, wurde der Tangentenflügel wieder entdeckt, restauriert und als Sensation gefeiert.
Wenn Ackermanns Spiel an diesem Flügel verstummte, rezitierte Michael Kämmle, Spazierstockflötenspieler, aus den Liebesbriefen des Ehepaar Seidels. Einleitend spielte die Pianistin »Acht Sauschneider müssen es sein«, das Joseph Haydn 1765 als Capriccio in G-Dur (Hoboken-Verzeichnis XVII/I ) vertonte. Ein bisschen Volkslied, humorvoll, rasant, mit heiteren Überraschungen und dramatischen Wendungen, die Ackermann linienscharf spielte.
Leidenschaftliche Liebelei
Kämmle begann Johann Esaias von Seidels Briefverkehr zu seiner Herzdame Rosina Fredericke Hartwig, seinerzeit eine Kreisratstochter zu Bayreuth, vorzutragen, beispielsweise wie er sie lieb gewann und um ihre Hand anhielt. Rosina schenkte ihm im Laufe eines Jahrzehnts vier Kinder. Die Texte über den königlich-bayerischen Kommerzienrat waren übrigens eine Mischung aus Wahrheit und der blühenden Fantasie Kämmles, der er mal süffisant, leidenschaftlich oder dramatisch vortrug. Passend zur Liebelei erschien kurz darauf Sopranistin Barbara Bieber, die zart und lieblich das klanglich einfache »Alise« von Siegmund Freiherr von Seckendorff sang, der die Gedichte von Goethe musikalisch umsetzte. Für eine Sommernacht wie diese war Bieber eine Idealbesetzung.
Kämmle fuhr fort: Seidels Frau Rosine sei in den Künsten der Haushaltung, der Literatur und des Klavierspiels bewandert, weswegen er ihr gerne einen Flügel zur Hochzeit schenken wollte. Ackermann spielte daraufhin Josef Mysliviceks Sonate in
D-Dur. Zum ersten Mal kam auch bei Jakob Friedrich Kleinknechts »Tantino Allegro« Sonate in D-Dur die aus Buchsbaum gefertigte Traversflöte von Kämmle zum Einsatz, kurz vorm Servieren der Fettuchini in Gemüsesahne mit gebratenen Garnelen.
Der nächste Teil fand draußen im Gärtchen bei mittlerweile erträglicheren Temperaturen statt. Kämmle leitete ihn mit dem Stück »Divertimento per il Csakan solo« von Ernesto Krämer gespielt auf einer Spazierstockflöte ein. Nach weiteren, schmachtenden Textzeilen erklang Franz Xaver Sterkels liebliches »Ich gieng im Walde so für mich hin«, feinfühlig gesungen von Barbara Bieber. Begleitet hat sie Ackermann diesmal auf einem Tafelklavier, der kleinen Schwester des Tangentenflügels, der ebenfalls aus der Manufaktur Späth und Schmahl stammt.
Traversflöte zum Dessert
Die Vorstellung einer zauberhaften Claviersommernacht machte Ackermann mit dem idyllischen, mit leicht nachdenklichen Verzierungen versehenen zweiten Adagio-Satz aus Mozarts Sonate in F-Dur perfekt. In der Zwischenzeit waren Esaias von Seidel und seine Rosina verheiratet und Kämmle erzählte vom ersten Kuss. Vor der Ehe durfte Seidel sie ja nicht küssen. Ein weiteres Gedicht von Goethe vertonte Franz Xaver Sterkel mit »An Lina«, das Barbara Bieber klar und ohne Liebesschnörkel sang. Bevor die Rinderbäckchen in Rotweinsoße serviert wurden, erklang noch einmal Ernesto Krähmer mit Kämmle an der Flöte.
Der finale Schlussblock, wieder im Claviersalon, war so gut wie das Dessert, eine Joghurtkokoscreme mit Sauerkirschhaube und Sahne. Kämmle zeigte sich neben Ackermann jetzt auch in Bestform, seine Töne auf der Traversflöte liefen im Stile und Sinne von Jakob Friedrich Kleinknecht mit dem Spiel auf dem Tangentenflügel d’accord. Sanfte Dissonanzen und feinfühlige Dynamik zeichnete das virtuose, ein bisschen rokokohafte Stück aus.
Das vorletzte Werk, ein heiteres, nach vorne preschendes, fröhliches Stück mit dem Titel »Das vergnügte Leben« von Georg Wilhelm Gruber, drückte vielleicht die Lebens- und Glückssituation Seidels aus, der mittlerweile wie ein Sultan in einem Schloss thronte, wie Kämmle verlautete. Das Ende dieser schönen Claviersommernacht setzte der erste Satz Kleinknechts, das Allegro aus der Sonate in F-Dur.
Anja Keilbach für das Echo vom Untermain

02. Juni 2013
Ein wahres Himmelsgebäude - Beethovens »Ferne Geliebte« im Claviersalon

Miltenberg: Für alle Musikfreunde sind sie ein echter Glücksfall: die Konzerte, die Sylvia Ackermann immer wieder im stilvollen Ambiente der Mildenburg mit Musikern und Sängern der Extraklasse und mit Instrumenten anbietet, die Klang und Atmosphäre vergangener Jahrhunderte hörbar und erlebbar werden lassen.

Letztes Beispiel für diesen »Glücksfall«: Zusammen mit dem Tenor Jan Kobow zelebrierte sie auf einem Flügel des Jahres 1795 eine eindrucksvolle Hommage an die »Ferne Geliebte« mit Liedern von Ludwig van Beethoven und Franz Schubert.
Wenn Sylvia Ackermann einlädt, dann darf man eine Art Gesamtkunstwerk erwarten. Das war an diesem frühen Sonntagabend im gut besetzten Rittersaal der Mildenburg nicht anders. Mit dem dreiteiligen Brief Beethovens an die »unsterbliche Geliebte« aus dem Jahr 1812 leitete sie das Konzert ein und legte sich mutig darauf fest, dass es sich bei dieser Geliebten des jungen Beethoven nur um Josephine von Stackelberg, geborene Brunsvik, handeln könne.Atmosphärische Dichte
Selbst die Zuhörer, die wussten, dass auch Antonie Brentano in der ernsthaften Forschung als Zielobjekt der Komponistenliebe in Frage kommt, waren gerne mit dieser Lösung einverstanden, so schlüssig, so atmosphärisch dicht war das Bild der Zeit kurz nach 1800, das die Pianistin zusammen mit dem Sänger in Worten und vor allem in Tönen malte. Sie begleitete den Tenor einfühlsam, schöpfte die großen Qualitäten und die Klangschönheit des »Steinways der damaligen Zeit« bis zu Neige aus.
Mit Jan Kobow, dem in Berlin geborenen Sänger, der spätestens seit dem ersten Preis im Leipziger Bachwettbewerb als Interpret von Barockmusik und als feinfühliger Liedinterpret mindestens deutschlandweit einen guten Namen hat, hatte sie einen idealen Interpreten dieser Lieder gefunden. Mit seiner natürlichen, nuancenreichen Stimme kostete er das breite Stimmungsspektrum der Lieder voll aus, ohne jemals pathetisch zu werden, beherrschte das zarteste Pianissimo genau so souverän wie die anschwellende Dynamik bei Ausbrüchen von Verzweiflung, spiegelte die Symbiose von Gefühl und Landschaftsbildern so stimmig, dass jeder Zuhörer die große Qualität solcher Lieder leibhaftig miterleben konnte und ahnte, dass in Beethoven auch schon die Romantik angelegt ist. Wie eine solche Seelen- und Gefühlsreise instrumental zele-briert werden kann, bewies Sylvia Ackermann bei Beethovens Rondo G-Dur, das sie hochkonzentriert, aber doch mit spielerischer Leichtigkeit und Eleganz interpretierte.

»Musiksoap« des 19. Jahrhunderts
Nach der Pause kamen Schubert-Freunde voll auf ihre Kosten. »Die Sonne sinkt ins tiefe Meer« sang Kobow im schönsten Schubert-Sound in »Alinde«, bevor er dann mit den sechs Heine-Liedern aus Schuberts posthumem Liederzyklus »Schwanengesang« noch ein echtes Highlight bot, eine stimmungsvolle Folge von sechs kleinen Szenen zwischen Liebeslust und -schmerz, die sich vom »Fischermädchen« bis zum »Atlas« zu einer Art qualitativ hochstehender »Musiksoap« des frühen 19. Jahrhunderts rundeten - auch wenn dieser Ausdruck Schubert und seinen kongenialen Interpreten Unrecht tut.
Elegant und mit spürbarer Spielfreude erklangen, vierhändig von Ackermann und Kobow gespielt, Schuberts »Deutsche Tänze mit Trio«, bevor Jan Kobow der »Herrin über alle Tasteninstrumente« in der Zugabe mit Schuberts »An Sylvia« für einen wunderbarer Abend auf der Mildenburg dankte - sicher auch im Namen aller Zuhörer, die auch bei der letzten Liedzeile nur nicken konnten: »Kränze ihr und Saitenklang«.
   Heinz Linduschka für das Echo vom Untermain


28. April 2013

„In Reichardts musikalischem Garten“ - Liederfrühling auf der Mildenburg

Für Sylvia Ackermann und Georg Ott  vom Miltenberger Claviersalon ist die junge norwegische Sopranistin Siri Karoline Thornhill ein echter Glücksfall. Diese sympathische junge Frau gewinnt mit ihrer in allen Lagen warmen und ausdrucksvollen Stimme mühelos die Herzen der Zuhörer. Die „Goethe-Lieder“ von Johann Friedrich Reichardt, die an diesem kühlen Frühlingsabend auf dem Programm stehen, wurden sicher auch schon zur ihrer Entstehungszeit in „Reichardts musikalischem Garten“ seines Gutes in Giebichenstein gehört, gesungen von seinen talentierten Töchtern und vielleicht auch auf dem Waldhorn von seinem Kutscher begleitet. Reichardt und Goethe waren befreundet und die musikalischen Fassungen seiner Worte haben auch beim Dichterfürsten Gefallen gefunden. Dass Goethe zu Vertonungen seiner Gedichte ein durchaus kritisches Verhältnis hatte, ist bekannt. Den Schubert-Vertonungen konnte er nichts abgewinnen, was aus heutiger Sicht ganz sicher nicht gegen sie spricht. Für Goethe durfte die Musik sich nicht verselbständigen, sondern sollte stets im Dienste des Wortes bleiben.
Die Rolle des Kutschers übernimmt an diesem Abend Georg Köhler (Karlsruhe) mit seinem Naturhorn. Dank sei ihm gesagt, dass er mit wenigen Worten die Zuhörer mit dem Geheimnis vertraut macht, wie man diesem ventillosen Instrument die ganze Skala der chromatischen Töne entlocken kann. Er eröffnet den Konzertabend mit einem klang- und technisch anspruchsvollen Moderato aus einer Sonate des französischen Hornistenund Komponisten  Jacques François Gallay (1795-1864).
Im ersten Liederblock hören wir den „Musensohn“,  „Frühzeitiger Frühling“ und „Wer kauft Liebesgötter“. Sylvia Ackermann moderiert kurzweilig das Programm mit vielen Geschichten und Geschichtchen zum Komponisten Reichardt, der schon als junger Mann zum preußischen Hofkapellmeister berufen wurde, aber am Hof des alternden „Alten Fritzen“ nicht so recht reüssieren konnte, und schließlich nach einem sehr bewegten Leben als Salinendirektor mit seinem Gut und dem berühmten Reichardtschen Garten in Giebichenstein bei Halle an der Saale zur „Herberge der deutschen Romantik“ wurde, wo Eichendorff, Brentano, Goethe und viele andere große Namen der Zeit ein und aus gingen. 
Siri Karoline Thornhill, der eine bemerkenswerte internationale Reputation vorauseilt, singt mit sparsamem, sinnvoll eingesetztem Vibrato und großer dynamischer Bandbreite. Diese „einfachen und edlen“ Lieder liegen ihr und man spürt in ihrer klaren Artikulation die innere Verwandschaft zu den Texten, die Natur und Zweisamkeit in allen Schattierungen zum Thema haben. Die Piano-Passagen gelingen ihr eindrucksvoll und anrührend in großem Kontrast zu den emotionalen Ausbrüchen wie in der abschließenden Ballade „Johanna Sebus“. Sylvia Ackermann begleitet auf dem berühmten Hammerflügel von Johann David Schiedmayer aus dem Jahr 1783 mit der Nr. 7, der seinerzeit an den Würzburger Hof geliefert wurde. Sie versteht es, der Sängerin Raum zu lassen und nimmt sich in den perlenden Begleitfiguren zurück. Als Begleitung wäre auch eine Laute oder Guitarre denkbar. Das Naturhorn unterstützt dezent die harmonischen Übergänge und Schlussakkorde. Zwischen den Liedern hören wir von Sylvia Ackermann ein Rondo von Johann Christian Bach (1735-1782) und eine Sonata von Giovanni Rutini (1723-1797) und zusammen mit Georg Köhler ein Larghetto von Franz Danzi (1763-1826). „Schäfers Klage“, „Sehnsucht“ und die Auftragsarbeit für Johann Wolfgang von Goethe „Johanna Sebus“, „zum Andenken der siebzehnjährigen Schönen, Guten aus dem Dorfe Brienen, die am 13. Januar 1809 bei dem Eisgang des Rheins und dem großen Bruche des Dammes von Cleverham Hilfe reichend unterging“, beschließen den Abend.
Gespannt sein darf man auf die CD-Einspielung der drei Künstler, die in den Tagen davor entstanden ist. Den Veranstaltern ist zu danken, dass es ihnen immer wieder gelingt, im akustisch dafür bestens geeigneten Kaminzimmer der Mildenburg an Komponisten zu erinnern, die in ihrer Zeit durchaus sehr berühmt und angesehen waren und deren Werk es lohnt, auch heute wieder aufgeführt zu werden zur Bereicherung des Kulturlebens, nicht nur von Miltenberg.
Joachim Fischer

17. März 2013
Christoph Hammer
am Tangentenflügel von Christoph Friedrich Schmahl, Regensburg 1790


Silvia Ackermann und Georg Ott hatten nicht zuviel versprochen: Die knapp 50 Musikfreunde, die sich trotz Regenschauern, Kälte und Eisresten auf den Treppenstufen am späten Sonntagnachmittag auf den Weg in den Rittersaal der Mildenburg gemacht hatten, wurden durch ein zweistündiges Konzert der Extraklasse für alle Anstrengungen reichlich entschädigt. Christoph Hammer, Dirigent, Musikwissenschaftler, Pianist und international renommierter Spezialist für historische Aufführungspraxis bewies einmal mehr, was ein echter Könner aus dem Tangentenflügel von 1790 aus der Werkstätte der Regensburger Klavierbauer „Spath & Schmahl“ herausholen kann. Dassdieses Instrument als vermutlich einziges unter den weltweit rund 20 noch vorhandenen Exemplaren den Originalzustand bewahrt hat und von Ott eher perfekt konserviert als restauriert worden ist, rundete dieses neue Konzert als Kunstgenuss für Musikkenner ab und machte einmal mehr klar, welch ein Glücksfall für  Miltenberg der „Claviersalon“ von Silvia Ackermann und Georg Ott ist.

Sensible Zuhörer durften sich um gut 200 Jahre in der Zeit zurückversetzt fühlen, saßen also in einem adligen oder bür-gerlichen Salon der Empfindsamkeit und genossen die intimen, facettenreichen und differenzierten Kompositionen vom Ende des 18. Jahrhhunderts. Hammer hatte die Stücke so ausgewählt, dass die Klangschönheit des Tangentenflügels perfekt zu Geltung kam. Dass die Sonaten so ganz nebenbei mit ihrer eleganten Lockerheit, mit ihren zarten  Klangfarben  den Frühling in den Rittersaal zauberten, dem grauen Himmel vor den Fenstern unzählige bunte Klangblüten, verspieltes Lachen, fröhliche Unbeschwertheit entgegensetzten, bewies ein Blick in die glücklichen, manchmal entrückten Gesichter der Zuhörer - allesamt wohl Kenner und Bewunderer differenzierter Kammermusik.


Doch selbst die dürften erstaunt gewesen sein, wie elegant Christoph Hammer sich auf den zierlichen Tasten des Tangentenflügel bewegte, wie souverän und scheinbar anstrengungslos er den Kniehebel des Instruments bediente und da-mit den ganzen Farbenreichtum des Flügels zur Geltung brachte. Es war eine Leichtigkeit jenseits aller Erdenschwere, die Hammer mit seiner Interpretation von Sonaten des Weimarer Kapellmeisters Johann Ernst Bach und von Muzio Clementi in Töne goss, das beste und vor allem das gesündeste Mittel gegen jede Art von Winterdepression. Verspielt, locker, fröhlich erklangen die Allegro-Sätze der Sonaten, zart und sensibel die Andante-Sätze oder auch der Menuet-Satz in Haydns F-Dur-Sonate: Eine stimmungsvolle und harmonische Facette im „Frühlingskonzert“, die im dritten Satz nach schwungvollen Tönen voller Unbekümmertheit in einen fast hingehauchten und sehr überraschenden Schluss mündete. Dass Hammer ein exzellenter Musiker mit großem Improvisationstalent ist, bewies er eindrucksvoll mit einer Improvisation, die Stimmungsbilder aus der Zeit der Empfindsamkeit vor Augen führte – mal nachdenklich, mal fast verstörend harmonisch, dann wieder dramatisch aufwallend mit Anklängen von leicht verstörenden Dissonanzen. So ganz nebenbei konnten die Besucher am Sonntag noch ganz kurzweilige und informative Instrumentenkunde genießen, konnten sehen und hören, wie der ganz besondere Klang des Tangentenflügels zwischen Cembalo- und Hammerklavier-„Sound“ entsteht, wie immer wieder mal auch ein Harfenklang dazwischentönt, wenn die Holzstäbe, die „Tangenten“, die Saiten von unten anschlagen und damit eine für uns Heutige ganz neue Klangwelt entfalten. Wer seit langem den perfekten, runden Klavierton unserer Tage im Ohr hat, kann ahnen, wie weit dieser Klang von den Kammerkonzerten des 18.Jahrhunderts entfernt ist, und bekommt eine leise Ahnung davon, wie Haydn oder Mozart damals tatsächlich geklungen haben mögen: Das ganz große Verdienst historischer Aufführungspraxis, zu der der Miltenberger „Claviersalon“ einen sehr wichtigen Beitrag leistet.

Dr. Heinz Linduschka für den Boten vom Untermain


1.Januar 2013
Mystische Klangwelten in der Ritterburg.
Das diesjährige Neujahrskonzert des Claviersalons in Miltenberg entführte die begeisterten Zuschauer in die Zeit der Romantik.


Klavier-und Kammermusik des 19. Jahrhunderts erfreut sich fast ungebrochen großer Popularität und spricht uns mit ihrem starken Gefühlsausdruck  an wie kaum eine andere  Gattung der Musikgeschichte. Die Werke von Johannes Brahms nehmen hierbei zweifellos eine Sonderstellung ein und sind besonders oft auf den aktuellen Konzertprogrammen wiederzufinden. Und dennoch durfte sich der Besucher des diesjährigen Neujahrskonzerts im bis zum letzten Platz gefüllten Rittersaal Mildenburg auf ein ungewöhnliches und neuartiges Hörerlebnis der besonderen Art freuen: denn in allen Werken des Abends war ein 1849 erbauter Hammerflügel von Ignaz Bösendorfer beteiligt. Wie der Instrumentenbauer und Restaurateur Georg Ott den Konzertbesuchern fachkundig mitteilte, ist das Instrument noch mit seiner originalen Besaitung ausgestattet. Die Saiten des Hammerflügels, dessen Bautyp von Brahms selber gespielt wurde, werden  im Unterschied zum modernen Konzertflügel  mit Köpfen aus Filz und Leder angeschlagen.
Dank des geschmeidigen Anschlags der Pianistin Sylvia Ackermann, die zugleich humorvoll durch das Programm des Abends führte, wurden die besonderen Klangeigenschaften des Bösendorfers zunächst in den Klavierstücken opus 118 von Johannes Brahms zu Gehör gebracht: der sanfte und warme  Sound der Mittellage, die teilweise mystisch verhauchten Klangfarben der höheren Register und die voluminösen, in ihrer Perkussivität überraschenden Basstöne verliehen diesen Perlen der Klavierliteratur einen besondere Glanz. Mutete jene Klangwelt dem ungewohnten Ohr zunächst etwas exotisch an, so wurde  bei zunehmender Vertrautheit deutlich, dass der mysteriöse Stimmung dieser romantischen Klaviermusik und jener oft nachdenklicher Gestus  der Brahmsschen Spätwerke auf diesem zeitgenössischen Originalinstrument besondere Ausdrucksqualität erhalten.
Auch der zweite Teil des Abends wartete mit einem interessanten Klangerlebnis auf: der Hornist Georg Köhler spielte gemeinsam mit Sylvia Ackermann  mit großer Bravour eine Sonate für Waldhorn und Klavier von Nikolaus  Freiherrn von Kruft, seines Zeichens eher als Staatssekretär des späteren Reichskanzlers von Österreich Klemens Fürst von Metternich bekannt, denn als Komponist  kammermusikalischer Meisterwerke. Zu Unrecht, wie die Darbietung des Abends beeindruckend unter Beweis stellte. Einem vergnüglichen und hochvirtuosen Konzertsatz, in dem die beiden Duopartner sich einen virtuosen Wettstreit lieferten, folgte ein in seiner Empfindsamkeit auf die Klangästhetik der Romantik verweisender langsamer Satz, in dem sich Klangfarbenreichtum von Waldhorn und Hammerflügel harmonisch in Verbindung setzten, bevor das Stück in einem charmanten Zwiegespräch beider Instrumente schwungvoll endete. Ein interessantes Werk, das aus der Hand eines Vertreters der politischen Restauration geradezu revolutionär erscheint und interessante Fragen zum Werkkontext aufwirft.
Nach der Pause erklang sicherlich als musikalischer Höhepunkt dieses Abends das Horntrio von Johannes Brahms. Dieses elegische Werk mit bisweilen klagenden Zügen wird von einigen Brahmsbiografen in unmittelbare Verbindung mit dem Tod der Mutter  des Komponisten gebracht. Der dunkle Lamento-Klang des Horns im langsamen Satz und das ausdrucksstarke, jedoch stets geschmackvolle Geigenspiel der französischen Violinistin Cecile Dorchene, stellten gelungene Ausdrucksmittel für die starke Expressivität des Stücks dar. Mit dem hinzukommenden leicht verschleierte Klavierklang näherten sich die Instrumentalisten der Klangästhetik Brahms an, der von einem unforcierten Klangbild ausgehend komponierte und wie in der vorliegenden Komposition häufig una corda bzw. tre corda- Effekte einsetzte.
Wie in den vorangegangenen Kompositionen auch, kombinierten die Klangfarben der historischen Instrumente wunderbar miteinander, wobei den Solisten ihre Vertrautheit mit der historischen Aufführungspraxis anzumerken war. Wie Sylvia Ackermann in einer humorvollen Anekdote zum Besten gab, lag es Brahms am Herzen, dass das in seiner Klangwirkung sensiblere Naturhorn dem modernen Ventilhorn, das Brahms abfällig als „Blechbratsche“ bezeichnete, vorgezogen werde. Der Hornist Georg Köhler unterstrich die Berechtigung, wenn nicht sogar Notwendigkeit, auch in der Gegenwart auf das historische Instrument zurückzugreifen. Dass hierzu eine versierte Blas-und Stopftechnik notwendig ist, stellte er in beiden Werken eindrucksvoll unter Beweis. Nicht weniger virtuos agierte Cecile Dorchene auf der Violine, die schwierigste Passagen scheinbar mühelos meisterte, ohne sich hierbei klanglich in den Vordergrund zu drängen. Dank des kammermusikalischen Gespürs aller Musiker durfte man sich vielmehr an einem stets transparenten Ensembleklang erfreuen, bei dem sich keiner der Beteiligten in den Vordergrund zu drängen suchte. Neben der facettenreichen dynamischen Gestaltung und einer spannungsreichen Darbietung der Übergänge begeisterten das hohe Engagement und die virtuosen Fähigkeiten der Ensemblemusiker.
Den Abschluss dieses unterhaltsamen und vergnüglichen Musikabends stellte der Strauß-Walzer „An der schönen blauen Donau“ dar, der eine weitere musikalische Überraschung mit sich brachte: die französische Querflötistin Eve Cambreling vervollständigte die diesjährige deutsch-französische Koproduktion des Neujahrskonzerts und bereicherte das Ensemble mit einer weiteren Klangfarbe. Gut gelaunt und in Vorfreude auf die kommenden Veranstaltungen des Claviersalons verließen die Zuschauer die Miltenberger Burg.

2. Dez. 2012
Christine Schornsheim- Rezaital
am historischen Hammerflügel von Melchior Guante, Münster um 1800


Was David Garrett an der Geige ist, ist Christine Schornsheim am Hammerflügel. Ihre Fingerfertigkeit ist atemberaubend schnell. Ihr technisch ausgefeiltes Spiel entlockte das volle Klang-Repertoire des 1795 erbauten Hammerflügels und meisterte mit Leichtigkeit und hoher Virtuosität die herausfordernde Vielfalt der Komponisten.  Die Besucher waren an diesem Abend nur überrascht: Von der Künstlerin, ihrer Optik, ihrem Spiel, dem Flügel, dem selten gehörten Repertoire und auch den gereichten Leckereien.
 Schornsheims Präsenz ist ungeheuer raumfüllend und selbstbewußt - es schimmert ihre Berliner Herkunft heraus, obwohl sie seit zehn Jahren Müncherin ist. Ihre Vita beeindruckt ebenfalls: Die Pianistin ist Professorin für historische Tasteninstrumente und zählt zu den weltweit renommiertesten Musikerinnen und ist auch Preisträgerin des begehrten Echo-Klassiks.

Die „Six Diverses Pièces pour le Pianoforte op.1“ und „Sonata per il Pianoforte op. 2“ sind die einzigen Kompositionen für Klavier von Johann Abraham Peter Schulz (1747 bis 1800). Die Sonate ließ sowohl feinste Nuancen erklingen und ist aber auch reich an spielerischen Elementen. Schulz stand im Einfluss der Berliner Schule um Carl Philip Emuanuel Bach.
Nach dem hochvirtousen 1. Satz, der wie eine Ouvertüre den Klavierabend eröffnete, entführt Christine Schornsheim die Zuhörer im langsamen Satz in eine zauberhafte Klangwelt, die sie mit dem Moderator des Hammerflügels gestaltete. Atemberaubend leise Sequenzen waren da zu hören - ein Klang, den nur ein Hammerflügel entfalten kann.

Die Variationen von Christoph Ernst Friedrich Weyse (1747 bis 1842) lehnen sich an Schulz‘ Kompositionen an.  Seine Variationen beginnen kindlich naiv, entwickeln sich jedoch im Spiel hochdramatisch und höchst virtuos.

Die „Six Diverses Pièces pour le Pianoforte op.1“ von Schulz sind ein Meisterwerk mit stilistisch enorm großer Vielfalt. Langsame Sätze mit traumhafte Melodien, kleine, feine Verzierungen oder zweistimmig kontrapunktische Sätze waren ebenso zu hören wie Variationen nach dem Fantasieprinzip. Mit diesen Stücken zeigte Schornsheim, welche Klangvielfalt in diesem Flügel steckte. Man glaubte bei jedem Stück ein anderes Register zu hören. 
Georg Ott, Restaurator für historische Tasteninstrumente, erklärte die Besonderheit des Flügels: Erbaut hat ihn Melchior Guante zu Münster in Westfalen um 1795. Das Instrument hat die ehemalige Besitzerinmehrfach aufwändig restaurieren lassen. Er wird mit einer Holzkapselmechanik gespielt und ist einer von wenigen erhaltenen deutschen Hammerflügeln mit empfindsamen Gestaltungspotentialen.

23. Sept. 2012
"Im Fluß der Zeit" - eine musikalische Zeitreise um die Martinskapelle zu Bürgstadt


Bürgstadt Mit einem interessanten musikalischem Konzept hat der Organist Josef Stolz aus Wien am Sonntagnachmittag in der Bürgstadter Martinskapelle seine Zuhörer begeistert. Das Programm der vom Miltenberger Claviersalon organisierten Veranstaltung beleuchtete verschiedene Stationen in der Geschichte der Kapelle. Zu einzelnen Ereignissen oder Bauabschnitte wurden Stücke aus der jeweiligen Zeit präsentiert.
Dabei bot Stolz viele relativ unbekannte und nicht häufig gehörte Werke und nutzte dafür ein ausgefallenes Instrument: eine italienische Prozessionsorgel mit der Bezeichnung Augustinus Traeri 1755.

Das Programm war in fünf Abschnitte unterteilt. Den Beginn markierten Stücke aus der Zeit der Entstehung und des Ausbaus der Martinskapelle. Werke aus der Zeit der Wallfahrt zum heiligen Wendelin stellten die letzten Stationen der Reise durch die Jahrhunderte dar.
Von Beginn an wurde der sehr charakteristische Klang des italienischen Instruments deutlich. Sowohl fröhliche Abschnitte als auch tiefe, schwere Akkorde verdeutlichten, welche überraschenden Variationen mit der historischen Orgel möglich sind. Stolz glänzte durch sehr ausdrucksstarkes und leidenschaftliches Spiel. Gekonnt spielte er mit Betonungen und Akzenten und ließ das Konzert abwechslungsreich werden.Neben eher unbekannten Kompositionen spielte er auch Werke von Berühmtheiten wie Johann Sebastian Bach. Gerade diese Abwechslung machte den Auftritt interessant, denn Stolz verband die Musik aus vielen Federn und Zeiten zu einem homogenen Ganzen.
Zur Kreuzigungsgruppe im Torbogen beispielsweise wählte stolz Musik von Johann Jakob Froberger aus dem Jahre 1656. Die Komposition entwickelte sich langsam, aber stetig weiter. Erzählpassagen wechselten sich mit Orgelabschnitten. getragene Melodieführung und nachdenkliche Momente passten thematisch und eine langsame, stetige Steigerung sorgte für Dramaturgie.
Infos rund um die Werke oder die Orgel selbst rundeten ein sehr charismatisches Konzert ab. mab

27. /28. Juli 2012
„Das verborgene Band“
-ein faszinierendes Gesamtkunstwerk im Miltenberger Claviersalon



Miltenberg. Es gibt manchmal, wenn auch selten Abende, da bleibt am Ende kein Wunsch offen und die Besucher gehen mit strahlenden Augen nach Hause. Am Freitag war es im Miltenberger Claviersalon wieder einmal so weit: 35 Besucher, mehr konnten den Abend in dem stimmungsvollen Ambiente leider nicht genießen, waren ausnahmslos begeistert vom Gesamtkunstwerk, das Sylvia Ackermann am Bösendorferflügel von 1849 als Fanny Mendelssohn, ihre frische, temperamentvolle zwölfjährige Tochter als Fannys jüngerer Bruder Felix und die Schweizer Schauspielerin Lea Schmocker in der Rolle der einfühlsamen, ausdrucksstarken Sprecherin und Textinterpretin dreieinhalb Stunden lang geboten hatten. „Das verborgene Band“ lautete der Titel des Doppelporträts zweier musikalischer Genies aus der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts. Es ging um die faszinierende Beziehung zwischen Felix und seiner Schwester Fanny, die im Alter von 24 Jahren den Hofmaler Wilhelm Hensel in Berlin geheiratet  und danach ernsthaft gehofft hatte, einen „freundschaftlichen Dreibund“ mit den beiden geliebten Männern leben zu können.

Es ist ein beeindruckendes und bedrückendes soziologisches Zeitporträt zugleich, das Sylvia Ackermann in ihrer einfühlsamen Textauswahl und mit ihren schlüssigen Zwischentexten erarbeitet hat – immer wieder kongenial abgerundet und musikalisch umrahmt durch die Kompositionen von Fanny und Felix auf dem Flügel von 1849 mit seinem unverwechselbaren warmem Klang, der den Claviersalon tatsächlich in den Salon der Mendelssohn-Bartholdys in der Leipziger Straße 3 im Berlin des 19.Jahrhunderts verwandelte. Fanny verkörpert besser als jede andere die Tragik einer hochtalentierten Künstlerin  aus einer großbürgerlichen, aufgeklärten Familie, die nie aus den Rollenkorsett der Frau und Mutter ausbrechen kann. Zeitgenossen waren sich einig, dass Fannys Talent am Klavier – was das Spiel und die Kompositionen anging – ihrem Bruder Felix durchaus ebenbürtig war. Und auch Felix selbst wusste das, wie er seiner Schwester 1829 über ihre Lieder schrieb: "Ich denke es ist die schönste Musik, die jetzt ein Mensch auf der Erde machen kann....Das ist die innere, innerste Seele von der Musik; was das für Einfälle sind!....Solche Musik habe ich nie gehört!; auch werde ich in meinem Leben nichts Ähnliches machen; das tut aber nichts, wenn's nur in der Welt ist; einerley, wer es ausgesprochen hat." Schöne Worte, die mit der Realität nichts zu tun hatten. Daran hatte schon 1820 der Vater keinen Zweifel gelassen, als er Fanny mit ihrem Bruder verglich: "Die Musik wird für ihn vielleicht Beruf, während sie für Dich stets nur Zierde, niemals Grundbass Deines Seins und Tuns werden kann und soll; ihm ist daher Ehrgeiz, Begierde, sich geltend zu machen in einer Angelegenheit, die ihm sehr wichtig vorkommt, weil er sich dazu berufen fühlt, eher nachzusehen, während es Dich nicht weniger ehrt, dass Du von jeher Deine Freude an dem Beifall, den er sich erworben, bewiesen hast...... Beharre in dieser Gesinnung und diesem Betragen, sie sind weiblich, und nur das Weibliche zieret die Frauen." Ganz typisch aus das gut gemeinte, aber vergiftete Lob des Carl Friedrich Zelter über Fannys Klavierspiel: „Sie spielt wie ein Mann!“
Viel mehr muss man kaum sagen,  um die Tragik Fannys zu zeigen. Viel mehr haben aber die Akteure im Claviersalon getan – glücklicherweise. Die Lichtregie von Georg Ott sorgte für einen perfekten Rahmen, die Kostüme Juliane Demels versetzten die Besucher authentisch in die Biedermeierzeit zurück, das Klavierspiel Sylvia Ackermanns setzte der Musik Fannys ein Denkmal, das nicht so schnell in Vergessenheit geraten dürfte, machte aber auch deutlich, vor allem mit den brillant interpretierten „Variations Serieuses“, dass Felix tatsächlich ein Jahrhundertgenie war. Es war ein kongeniales Zeit- und Sittenbild von hoher Qualität, die Geschichte von Menschen, die ohne einander kaum leben und doch auch miteinander die Grenzen der Zeit und der Konvention nicht sprengen konnten. Das wunderbare Gesamtkunstwerk im Claviersalon bewies, dass Aufklärung vom Feinsten sich mit bester Unterhaltung, mit theatralischen Highlights und musikalischen Glanzpunkten verbinden lässt – abgerundet durch ein erstklassiges Viergängemenü Eva Stillers zwischen den vier Programmteilen. Am Ende waren alle glücklich: Die Akteure über den minutenlangen Beifall, die Zuhörer über den rundum gelungenen Abend. Kein Wunsch war offen geblieben, nur eine Frage: Wie kann man so eine Leistung zu solch niedrigen Preisen bieten?
Damit das so bleibt, sollten Musikfreunde über eine Mitgliedschaft im Claviersalon e.V. ernsthaft nachdenken. Informationen im Internet: www.claviersalon.de.

Heinz Linduschka im Boten vom Untermain 30/7/2012

9. Juni 2012
Harmonisches Gesamtkunstwerk auf der Mildenburg
Konzert des Claviersalons trotzt souverän der Fußballkonkurrenz


Miltenberg. Stellt euch vor, Deutschland spielt bei der Fußballeuropameisterschaft und keiner schaut zu! „Keiner“ ist natürlich weit übertrieben, aber immerhin hielt das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Portugal keinen der gut 50 Musikfreunde davon ab, am Sonntagabend den Rittersaal der Mildenburg bis auf den letzten Platz zu füllen. Und nach zwei Stunden sollen – verlässlichen Angaben zufolge – sogar eingeschworene Fußballfans keine Sekunde lang bedauert haben, der Musik den Vorzug gegeben zu haben.

Der Grund für dieses erstaunliche Verhalten: ein Liederabend des Claviersalons, ein abwechslungsreicher, harmonischer Auftritt des renommierten Tenors Jan Kobow und der Pianistin Sylvia Ackermann, der offensichtlich kein Tasteninstrument dieser Welt Rätsel aufgibt. Ein Liederabend war angekündigt, zunächst frühromantische, stimmungsvolle Liedsätze im Garten der Mildenburg bei idealem Wetter. Das Schönste: Ackermann und Kobow verschafften den Musikfreunden eine wunderschöne Entdeckung: Der Komponist Norbert Burgmüller dürfte nämlich auch vielen Musikkennern nichts sagen – zu Unrecht! Seine „5 Gesänge“ beweisen, dass der mit 26 Jahren früh verstorbene Burgmüller eine ganz eigene Handschrift gefunden hat, um romantische Stimmung und Lebenshaltung in Töne zu setzen, dass er Anklänge an Beethoven und an Mendelssohn souverän in einen ganz eigenen Ton verwandelt hat, egal ob es sich um das zarte „Bei einem Wirte wundermild“, um das gefühlvolle „Du bist wie eine Blume“ mit dem „Wehmut schleicht mir ins Herz hinein“ oder um die dramatische „Winterreise“ handelte. Im idyllischen Ambiente des Burggartens brillierte Sylvia Ackermann mit ihrer einfühlsamen und souveränen Begleitung auf dem Hammerflügel, während Kobow mit seinem samtigen, ausdrucksvollen Tenor anscheinend ohne jede Anstrengung alle Facetten der Lieder souverän interpretierte.

Es war eine Harmonie, die im Rittersaal bruchlos fortgesetzt wurde, als die Pianistin den Hammerflügel gegen das Tafelklavier tauschte und Kobow seine Mischung aus Liedern und Balladen vortrug. Die Musik Schuberts veredelte dabei sogar Verse von Klopstock wie das »Ha, dort kömmt er mit Schweiß, mit Römerblute, / Mit dem Staube der Schlacht bedeckt! So schön war /
Hermann niemals! So hats ihm /
Nie von dem Auge geflammt!“ aus der heute eher unfreiwillig komischen Ode „Hermann und Thusnelda“. Wie viel eindrucksvoller war es dann erst, wenn Text und Musik ein harmonisches Ganzes bildeten – und das interpretiert von einem ideal zusammenstimmenden Duo wie Kobow und Ackermann! Schuberts Vertonung von „Nacht und Träume“, der „Romantik-Hymne“ des Novalis, und der Frühfassung von Goethes „Willkommen und Abschied“ mit ihrer dramatischen Aufgipfelung, mit Schillers „Bürgschaft“ in einer sängerischen Glanzleistung Kobows, der die Ballade als stimmige Theaterszene ausgestaltete, die Sylvia Ackermann fast programmmusikalisch untermalte und abrundete, mit dem  „Erlkönig“ als wunderschöne Zugabe, die von den enthusiastischen Zuhörern erklatscht wurde – es war ein rundum überzeugendes Gesamtkunstwerk im Ambiente der Mildenberg, das allein schon den Eintrittspreis wert gewesen wäre. Zugegeben: Die Anmoderation für die „Bürgschaft“ hätte sich Kobow sparen können, sie wirkte einerseits überflüssig, andererseits viel zu flapsig, ansonsten aber war es ein rundum gelungenes Konzert. Nicht zuletzt deshalb, weil Kobow und Ackermann auch den „Einheimischen“ Joseph Martin Kraus als Liedkomponisten vorstellten, der mit viel Einfühlungsvermögen alle möglichen Facetten des Gefühlslebens in Töne setzen konnte: romantische Sehnsucht genau so wie sprudelnden Übermut oder die tiefe Trauer Klopstocks über den Tod seiner Frau im Kindbett. Und besonders schön: Sylvia Ackermann brillierte auch einmal als Solistin am Tafelklavier, als sie drei Sätze aus Schuberts „Moments musicaux“  interpretierte und dabei die frühromantische Stimmung genau so souverän herausarbeitete wie den Wechsel zwischen Dramatik im Andantino und der verblüffenden Leichtigkeit im Allegro moderato. Anschlag und Einfühlungsvermögen der Pianistin hätten sicher auch Schubert selbst begeistert. Begeisterung war es auch, die nach zwei Stunden die Zuhörer zeigten. Und auch sie hatten ein großes Lob verdient: Hatten sie doch mit ihrem Musikverständnis dafür gesorgt, dass der musikalische Spannungsbogen nie durch verfrühten Zwischenbeifall gestört wurde.

 Dr. Heinz Linduschka
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4. März 2012
Romantische Klänge in historischer Atmosphäre:
Tobias Koch präsentiert Werke von Chopin und Hiller

Ein Publikum von 100 Gästen ist am Sonntagabend in den Genuss ausgewählter Stücke der großen Romantiker, die der Pianist Tobias Koch im Rittersaal der Mildenburg präsentierte, gekommen. Der Aufführungsort hätte nicht besser gewählt sein können:Unter mittelalterlichen Wappen und hölzernen Wandverzierungen, die in stimmungsvolles Zwielicht getaucht waren, konnten die Zuhörer den Reiz der Werke voll und ganz auf sich wirken lassen.
Instrument mit Geschichte
Auch das Aufführungsinstrument an sich besitzt Geschichte - ein original erhaltener Bösendorfer Hammerflügel aus dem Jahr 1847, der sich im Besitz des Claviersalons befindet. Der Ruhm dieser in Wien erbauten Flügel begründet vor allem darauf, dass sie sich in besonderer Weise den oft ungestümen romantischen Kompositionen gewachsen zeigten. So konnte nicht einmal Liszt, der dafür bekannt war, während seiner Konzerte mit seinem rasanten Spiel so manche Klaviere zu zerstören, einem Bösendorfer Flügel etwas anhaben. Rasant ging es auch an diesem Abend zu. Den Anfang machte Tobias Koch, der schon auf vielen renommierten Festivals gefeiert wurde und der selbst Lehrtätigkeit ausübt, mit Werken von Chopin. Mit den »Trois Nocturnes« bewies er, dass an seinem wirklich außerordentlichen Können als Pianist nicht auch nur der geringste Zweifel besteht. Denn die plötzlichen Tempi- und Dynamikwechsel, welche die hohe Emotionalität jener aufgewühlten Epoche widerspiegeln, ließen sichtlich keinen der Zuhörer unberührt. Anschließend präsentierte der Pianist Stücke von Ferdinand Hiller, einem deutschen Komponisten, der seinerzeit ebenso berühmt war wie seine befreundeten Kollegen Chopin oder Liszt. Dass er heutzutage völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist, bewiesen nicht nur seine »Rhythmischen Studien für das Pianoforte«, sondern vor allem die »8xMesures variées«. Wie der Titel schon verspricht, wurden verschiedene Stil- und Tempovariationen aufgezeigt, die beeindruckend schnell miteinander abwechselten. Von zarten, erlesen feinen Tönen über atemberaubende Läufe bis hin zu paukenschlagähnlichen Akkorden demonstrierte Tobias Koch mit diesem Stück eindrucksvoll die ganze Bandbreite seines Könnens.

Gegen Ende wandte der Pianist sich ausgewählten Stücken von Franz Liszt zu. Nach den »Apparitions« und den schwebenden, traumartigen Klängen der »Fantaisie sur une valse de Francois Schubert« lieferte Tobias Koch mit dem symphonischen Gedicht »Danse macabre« einen fulminanten Abschluss des Konzerts.

Gänsehautstimmung
Dieses fast ein wenig mysteriös anmutende Stück, bei, dem sich Tanzvariationen grotesk verändert präsentieren, elektrisierte das Publikum regelrecht und sorgte mit seiner Eindringlichkeit für Gänsehautstimmung. Diesen sehr bewegenden Abend honorierte das begeisterte Publikum mit langanhaltendem Applaus und »Bravo«-Rufen. Doch auch der Pianist hatte Komplimente zu verteilen. Er lobte nicht nur den Claviersalon für die vorbildliche Organisation, sondern auch die Zuhörer, die dem doch sehr anspruchsvollen Programm voll konzentriert gelauscht hatten.


Julie Hofmann im Boten vom Untermain am 7. März 2012

1. Jan 2012
Ein Walzer für Johann Strauß
Die Musiker Christoph Hammer, Cynthia Robert und Allen Whears
faszinieren im Rittersaal der Mildenburg


Miltenberg: Bei einem Klassikkonzert tanzen?  Pianistin und Claviersalon-Betreiberin Sylvia Ackermann und der Klavierspieler Christoph Hammer haben die Gäste am Ende ihres rund zweistündigen Konzertes im Rittersaal der Mildenburg aufgefordert, zu Strauß’ »An der schönen blauen Donau« Walzer zu tanzen.




Zu Strauß’ »An der schönen blauen Donau« walzerten sich die Gäste durch die Säle der Mildenburg. Ein bisschen irritiert waren einige der 80 Gäste schon, aber dann walzerten sich doch zahlreiche Paare durch die zwei Säle - ein selten schönes und bewegendes Bild. Zuvor begeisterten Christoph Hammer am Hammerklavier, Cynthia Roberts an der Barockgeige und Allen Whear am Cello mit Werken der eher unbekannten Komponisten Ignaz von Beeke, Johann Nepomuk Hummel und Franz Xaver Kleinheinz. Sanft, lieblich und fein. Bei Christoph Hammer ist der Name Programm. Der 46-Jährige ist ein außergewöhnlich virtuoser Musiker, der sich am liebsten auf seinem Hammerklavier, einem Nachbau von Anton Stein aus dem 18. Jahrhundert, vergnügt. Sein Spiel ist mal rasant perlend, aber auch sanft, lieblich und fein. Er versteht es, beispielsweise frühklassische Trioliteratur mit der historischen Aufführungspraxis zu verschmelzen. Bestens dienen dafür die Werke von Ignaz von Beeke (geboren 1733 in Wimpfen am Neckar, gestorben 1803). Der eher unbekannte, aber für seine Zeit wegen seiner außergewöhnlich dichten Werke bedeutende Komponist und Pianist war seiner Zeit voraus.Das zeigte sich vor allem in der Violinsonate C-Dur mit Christoph Hammer und Cynthia Roberts und im Klaviertrio in C-Dur mit allen drei Musikern. Beeke komponierte diese Sätze mit erstaunlich frischen und für damals vielleicht ungewohnten Elementen aus Barock, Wiener Klassik, osteuropäischen Folkloreklängen und anderen Themen. Fast ein Muss für die drei Virtuosen, die alle das farbenreiche Spiel lieben. Verschiedene Tempi, dynamische Akzentuierungen, Duellierungen oder plötzliche Akkordbrechungen inklusive.

Leise, gefährlich süß und scharf zugleich erklang die original mit Darmsaiten und kurzem Steg erbaute Barockgeige von Cynthia Roberts aus dem Jahr 1620, in die sie sich bei einem New Yorker Händler im Jahr 2010 verliebte. Präzise und filigran führt sie die langsamen Sätze aus, im flotten Teil hat man das Gefühl, die Geige oder besser gesagt, ihr Bogen führt sie, statt sie den Bogen - so eins ist sie mit ihrem Lieblingsinstrument.
Ziel der Spielweise des Trios ist es, die Musik aus dem 18. Jahrhundert genauso verlauten zu lassen, wie sie komponiert und seinerzeit auch gespielt wurde. Der Rittersaal und die im Kreis platzierten Gäste boten das ideale Umfeld, denn nur wenige Zentimeter trennten die Künstler vom Publikum, so wie es früher bei der Kammermusik eben war. Die historische Aufführungspraxis beinhaltet auch Literatur. Hammer zog aus einer Notenbibliothek die gut erhaltenen Sinfonien und Sonaten von Beeke heraus und beließ sie im Original.

Allen Whear, Solocellist und Professor an der University of North Texas, ist ein einfühlsamer Spieler, was sich bei der »Cello-Sonate opus 104« von Johann Nepomuk Hummel (1778 bis 1837) zeigt. Hummel war ein Schüler Mozarts und einer der Komponisten, die sich von der Klassik in die Romantik herüberkomponierten. Aus dieser Zeit stammt auch die bittersüße Sonate »Romanza«, die Whear zum Besten gab. Während Hammer sich dezent im Hintergrund hielt, breitete sich der Cellist auf dem sanften Klavierklangteppich aus. Jeden Ton formte er hingebungsvoll, seine tiefsten Bässe klangen voller Ehrfurcht und Würde und brachten mit seinem farbenreichen Spiel vor allem die Tragik des Werkes zum Ausdruck.


Neben den exzellenten Perlen von Hummel und Beeke spielten die hochrangigen Musiker, die alle an einer Hochschule in den USA unterrichten und in internationalen Orchestern in der ganzen Welt unterwegs sind, noch von Wolfgang Amadeus Mozart die Variationen G-moll für Violine und Klavier und ein Klaviertrio opus 13 von Franz Xaver Kleinheinz (1765 bis 1832). Ein hübscher, romantischer Abschluss war das Stück »An der schönen blauen Donau« von Johann Strauß, zu dem die Gäste im Dreivierteltakt ins Neue Jahr hinein tanzten.

Anja Keilbach im Boten vom Untermain

20. Nov 2011
Eindrücke aus einer vergangenen Klangwelt

Jürgen Banholzer präsentiert im Claviersalon
Werke auf einer 250 Jahre alten Prozessionsorgel


Miltenberg: Erneut ist es Sylvia Ackermann und Georg Ott gelungen, beim Konzert im Claviersalon Miltenberg am Sonntag mit einer Neuerwerbung ihr Publikum zu überraschen. Durch Zufall und gute Beziehungen konnten sie eine der wenigen erhaltenen Prozessionsorgeln aus dem Jahr 1755 erwerben - ein Instrument, durch das sich zwei lange Tragestangen schieben ließen und das somit zu Prozessionen transportieren werden konnte.


Die Prozessionsorgel stammt vom letzten Vertreter einer italienischen Orgelbaudynastie Alessandro Traeri aus Oberitalien und ist noch gut spielbar im Originalzustand erhalten. Warum aber eine Orgel im Klaviersalon, mag sich mancher gefragt haben. Wie alle mit Klaviaturen gespielten Instrumente wie Cembali, Hammerklaviere verschiedener Epochen gehören auch Orgeln zu der Gattung der Klavierinstrumente und somit in die Sammlung des Miltenberger Klaviersalons. Die »Orgelweihe«, die erste Präsentation des neuerworbenen Instruments, übernahm mit Jürgen Banholzer ein versierter Spezialist für die Orgelmusik des 17. und 18.Jahrhunderts Der Organist, Sänger und Musikwissenschaftler wählte die zur Orgel passenden Werke italienischer Musik, erläuterte sie kenntnisreich und trug sie virtuos vor.

Traditionsbewusster Orgelbau
Da der italienische Orgelbau bis nach 1900 sehr traditionsverhaftet blieb, konnten Werke einer Zeitspanne von 200 Jahren auf dieser Orgel gespielt werden. Zu Beginn waren Beispiele zu hören aus der Zeit nach 1500, als sich die Orgelmusik erst langsam aus der Vorherrschaft der Vokalmusik zumal im liturgischen Bereich zu lösen begann. Die Entwicklung zu einer selbstständigen Instrumentalmusik wurde bei diesem Konzert in Schritten von etwa 20 Jahren am Beispiel von Werken der wichtigsten Komponisten wie Gabrieli, Frescobaldi und Rossi präsentiert. Dabei hatte Banholzer Gelegenheit, die Klangfarben der typischen italienischen Orgel vorzustellen. Besondere Aufmerksamkeit erregte dabei das Register der »Voce umana«, ein Klang, der durch leichtes Schweben das Timbre der menschlichen Stimme nachahmt. Dieser Klang, bis heute eine Besonderheit der italienischen Orgeln, ist bei der Traeri-Orgel des Klaviersalons besonders schön erhalten. War die Musik des ersten Konzertteils vor allem für die Liturgie der katholischen Kirche komponiert, so boten die nach der Pause gespielten Werke Beispiele für die Unterhaltung bei Hofe wie eine Suite und Pastorale von Zipoli und zwei Sonaten und ein »Flautino« von Carlo Monza.

Läufe, Triller, Sprünge
Als »Ausländer« war Wolfgang Amadeus Mozart in diesem Konzert mit italienischer Musik zu Gast, der bei Padre Martini in Bologna studierte und oft als hoch geschätzter Künstler in diesem Land konzertierte. Er war mit dem Adagio für Glasharmonika vertreten, das auf dieser Barockorgel ganz wundervoll zur Geltung kam. Zum Schluss forderte eine Sonate von Baldassare Galuppi mit ihren Läufen, Trillern und Sprüngen noch einmal Virtuosität.

Nach dem Konzert demonstrierte Jürgen Banholzer, wie leblos historische Orgelmusik klingt, wenn sie mit mechanisch gepumptem Wind gespielt wird. Im Konzert hatte Georg Ott eigenhändig die Balganlage bedient und damit einen lebendigen, atemähnlichen Orgelwind erzeugt.


Wieder einmal wurde durch ein Konzert im Claviersalon die Tür zu einer wenig bekannten Klangwelt aufgestoßen. Die Besucher hatten die seltene Gelegenheit, zweihundert Jahre italienischer Orgelmusik in authentischer und packender Wiedergabe zu erleben.  
Albert Elbert im Boten vom Untermain, 22.11.2011

Der Pyramiden-hammerflügel von Friederici gespielt von Sylvia Ackermann Claviersalon CD- Kritik von Franz G. Szabo aus
"Szabos kritischen Journal der alten Musik"
Hörtipp: Sylvia Ackermann sammelt und spielt auf historischen Instrumenten, die Georg Ott, Restaurator am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, wiederherstellt. Zusammen betreiben sie den "Claviersalon" Miltenberg mit Konzerten, Führungen, Kursen und CD-Produktionen. Ein ausgezeichnetes Beispiel für die kongeniale Zusammenarbeit liefert die CD "Der Friederici-Pyramidenflügel" im Frankfurter Goethehaus, einem der wertvollsten deutschen Hammerklaviere. Konstruktionsbedingte, spieltechnische Einschränkungen verlangen von der Pianistin etablierte Interpretationsmuster zu hinterfragen, so wie bei den Schubertstücken obigen Konzertes. Das betrifft auf dieser, bei Antares erschienenen CD, hauptsächlich bekannte Werke, wie "Acht Sauschneider müssen seyn" von Haydn. Aber vor allem die Sonaten von Johann Schobert erweitern den Musikhorizont des 18. Jahrhunderts. Eine paradigmenverschiebende und höchst spannende Hörreise in die Vergangenheit!
Franz Szabo in Szabos kritischem Journal der alten Musik

25. Sept. 2011
Elegante, transparente Klaviertrios authentisch interpretiert
Georg Joseph Vogler und Joseph Martin Kraus erklingen in der Franziskaner-Klosterkirche Miltenberg


Miltenberg. Relativ wenige Namen von Komponisten beherrschen in der öffentlichen Wahrnehmung die Epoche  des Spät-Barock - zu Unrecht, wie am frühen Sonntagabend bei einem Konzert in der Franzikaner-Klosterkirche aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Miltenberg bewiesen wurde. Rund 60 Zuhörer zählten anschließend hörbar zu den neuen „Fans“ von zwei Komponisten, die noch immer nicht den Stellenwert genießen, den sie eigentlich verdienen.

Der „Claviersalon“ war diesmal in die alte Klosterkirche umgezogen - ein ideales Ambiente für die Klaviertrios vom Ende des 18.Jahrhunderts, zumal es Sylvia Ackermann, die mit gewohnter Souveränität, Präzision und Ausdruckskraft auf dem historischen Hammerflügel brillierte, gelungen war, zwei hochrangige Experten in Sachen historischer Aufführungspraxis zu gewinnen. Zusammen mit Gerhart Darmstadt, einem der führenden Barockvioloncellisten Deutschlands, der das Konzert mit anschaulicher und informativer Moderation über die Komponisten und ihre Zeit bereicherte, und mit Werner Erhardt, der mit seiner Barockvioline und auch als künstlerischer Leiter des Kammerorchesters Concerto Köln längst auch international einen ausgezeichneten Ruf genießt, interpretierte sie in unangestrengtem, selbstverständlichem Zusammenspiel Musik von Abbé Georg Joseph Vogler und von Joseph Martin Kraus, der zu den Schülern von Vogler zählte und ihm am Ende seines nur 36 Jahre dauernden Lebens am Stockholmer Hof wieder begegnete. Kraus, 1756 in Miltenberg 1756, erlebt seit einigen Jahren die verdiente Renaissance als „Odenwälder Mozart“, nicht zuletzt durch die Aktivitäten der Stadt Buchen, in der Kraus als Kind mit seinen Eltern einige Jahre lebte. Dass Haydn ihn als „eines der größten Genies, die ich gekannt habe“, bezeichnete, dürfte diese Wiederentdeckung befeuert haben. Wie in der Miltenberger Klosterkirche die ersten zwei Sätze seines großen Klaviertrios in D-Dur aus dem Jahr 1787 erklangen, wie die drei Musiker zunächst intensive Tongemälde aufbauten, die Tempo- und Dynamikwechsel ausgestalteten und den Kontrast zwischen dem kraftvollen Ende des ersten und dem verhaltenen Pizzicato-Beginn des zweiten Satzes zelebierten, bevor sie die Musik sanft verklingen ließen, das hätte sicher auch dem Komponisten gefallen, der immer sehr skeptisch war, wenn er seine Werke anderen Interpreten „ausliefern“ sollte.

Dass auch die Werke des Abbé Georg Joseph Vogler eine Wiederentdeckung verdienen, dürfte spätestens nach diesem Konzert in Miltenberg klar sein. Drei Klaviertrios zeigten die zahlreichen Facetten seiner Mu-sik, den neuen, anmutigen Stil der „Mannheimer Schule“, der sich vor allem durch Leichtigkeit und Eleganz, aber auch durch den Mut zur Spiegelung zahlreicher und oft auch widersprüchlicher Stimmungen auszeichnet. Schon im A-Dur-Trio von 1783 kontrastierten im folkloristisch anmutenden dritten Satz tänzerische Elemente mit fast schwermütigen Tönen, ein Kontrast, den vor allem Gerhart Darmstadt auch gestisch-mimisch spiegelte. Zu Recht lobte der Laudator vor einigen Jahren bei der Verleihung des deutschen Kritikerpreises sein Spiel als „unbequem und angriffslustig, nervig und brillant, affektfreudig und vor allem hinreißend spontan“.

Kontraste, die zu schönen Gesamtbildern verschmolzen werden, bot auch das Allegro mit der typischen Bezeichnung „Der Wankelmut“ im D-Dur-Trio, auf das ein zartes melodisches Rondo folgte. Das Es-Dur-Trio zum Abschluss des Konzerts ließ auf zwei verblüffend gedämpfte Sätze, die Ehrhardt, Darmstadt und Ackermann kongenial wie ein Stück hinter einem Traumteppich interpretierten, das befreiende, temporeiche und dynamische Presto folgen, letzter Beweis für die Qualitäten des Georg Joseph Vogler, der bis heute zu Unrecht unter dem vorschnellen Verdikt von Mozart zu leiden hat, der ihn 1777 in einem Brief hart kritisierte:  „eder (öder) spaß-macher, ein Mensch der sich recht viel einbildet und nicht viell kann“ - ein ungerechtes Urteil, das viel Schaden angerichtet hat. Dass Ackermann, Erhardt und Darmstadt Voglers Klaviertrios auf CD einspielen, sollte ein wichtiger Beitrag zur verdienten Wiedergutmachung sein.

Dr. Heinz Linduschka für's Main-Echo am 27.09.2011

15. Jul 2011

Konzert- Kritik  zur Claviersommernacht 2011
von Heinz Linduschka im Untermainecho
:

„Ich hatte viele witzige Träume im Kopf“
Ein Gesamtkunstwerk in Tönen und Worten: die Liebe von Clara und Robert Schumann


Es gibt sie noch, die Abende, an denen man in gelassener, rundum stimmiger Atmosphäre ein Gesamtkunstwerk erleben kann, Abende, an denen Novalis’ Worte aus „Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren“ wahr werden: „Dann fliegt vor Einem geheimen Wort / Das ganze verkehrte Wesen fort.“ So einen Abend konnten am Freitag 70 Besucher im Miltenberger Claviersalon genießen, als in einer Szenischen Lesung mit Musik die Liebe zwischen Clara, geborene Wieck, und Robert Schumann in drei Stunden zelebriert wurde.
Es stimmte einfach alles: das Ambiente in der Miltenberger Altstadt, das es nicht schwer machte, sich in ein vergangenes Jahrhundert zu versetzen, die einfühlsame, pointierte Stimme von Ann-Kathrin Schneider, die souverän und ohne störende Selbstdarstellung Briefe von Clara und Robert Schumann vortrug, Briefe von Anfang der 30er bis  in die 40er Jahre, als die beiden gegen alle Widerstände – vor allem von Vater Friedrich Wieck – geheiratet hatten und zusammen das lebten, was oft als Musterbeispiel einer Künstlerehe mit all ihren Höhen und Tiefen bezeichnet wird.

Schneider brachte in ihrer Interpretation sehr gut zur Geltung, dass die neun Jahre jüngere Clara spürbar reifer und „vernünftiger“ war als ihr geliebter Robert, dessen aufbrausendes Wesen sie mimisch und gestisch ideal umsetzte.  Dass Robert als Ehemann durchaus einige Pascha-Züge besaß und nicht frei von Besitzansprüchen auf seine junge Frau war, konnte man manchmal erahnen, im Zentrum standen die durchaus vorhandenen Spannungen zwischen den Eheleuten an diesem Abend nicht – auch wenn die Abgründe in dieser Verbindung manchmal zu ahnen waren. Viel deutlicher als in den Texten wurden sie in der Musik. Die bot an einem wunderbaren Instrument aus dem Jahr 1849 Sylvia Ackermann. Auf einem Bösendorfer Flügel aus Wien setzte sie mit einer Mischung aus  ausdrucksstarkem und bewundernswert präzisem Spiel das um, was E.T.A. Hoffmann als besondere Leistung der Musik – vor allem der romantischen - definiert hatte: „Die Musik schließt dem Menschen ein unbekanntes Reich auf; eine Welt, die nichts gemein hat mit der äußern Sinnenwelt … und in der er alle durch Begriffe bestimmbaren Gefühle zurücklässt, um sich dem Unaussprechlichen hinzugeben.“

Gefühle zum Klingen bringen, klassische Formen überwinden, traditionelle Harmonien überschreiten und die Grenzen zwischen Musik und Literatur auflösen – diese Grundzüge der romantischen Musik wurden im Claviersalon Miltenberg in Reinkultur zelebriert – auf einem Instrument, das mit seinem warmen, seinem körperreichen Ton ahnen ließ, welch wertvolles Erbe die Arbeit mit historischen Musikinstrumenten in unsere Zeit rettet. In vier Teilen wurde der Weg vom ersten Kennenlernen, von der zarten Liebe zwischen dem 22- und der 13-Jährigen, Rückschläge und Hindernisse und schließlich die Heirat im Jahr 1840 mit Stimme und Tönen zurückgelegt, nicht unterbrochen, sondern stilvoll ergänzt durch kleine, aber feine Speisen in den Pausen im romantischen Innenhof.

Kleine Stücke  von Mendelssohn-Bartholdy und Chopin zeigten Grundzüge, aber auch die Spannweite romantischer Klaviermusik, bevor dann „nur“ noch Robert Schumann musikalisch herrschte und Sylvia Ackermann die Stimmungswechsel der Liebenden konzentriert und beseelt in Töne umsetzte. Die „Romanze Nr.2“ gestaltete die Pianistin tatsächlich als „das schönste Liebesduett“ aus, ohne dabei pathetisch zu werden – eine Art Idealalternative zum eher „klebrigen“ Spiel eines Richard Clayderman. Auszüge aus der großen „Fantasie op. 17“ bot romantische Programmmusik in Vollendung in allen ihren Facetten, spiegelte Unruhe und Verzweiflung und mündete schließlich in sanfte Versöhnung – eine Musikfassung der Biografie der Liebenden. Sicher ein Höhepunkt: Drei Lieder von Robert Schumann, mit klarer, natürlicher Stimme perfekt interpretiert von der jungen Sopranistin Barbara Bieber. Mit schöner Artikulation und ohne falsches Pathos rundete sie den Abend ab, der mit Schumanns „Träumerei“ endete. Dass die Salonatmosphäre und die stilvollen Kleider – Biebers verspieltes Rüschenkleid, Ackermanns elegantes Biedermeierkleid und auch Schneiders androgyner Auftritt mit Hose und Weste, der den Wechsel von Robert zu Clara ermöglichte - das Gesamtkunstwerk abrundeten, verstand sich fast schon von selbst. Die Zuhörer waren begeistert, Musikfreunde dürfen sich auf die nächsten Termine im Claviersalon freuen und Miltenberg hat – neben dem kleinsten Theater der Welt – einen weiteres kulturelles Glanzlicht, um das die Stadt viele beneiden dürften.

 
Heinz Linduschka im Untermainecho


1. Mai 2011
Harmonische Musikreise durch Reichardts Gartenidylle
Barbara Bieber und Sylvia Ackermann begeisterten im Alten Rathaus
am 1.Mai
2011



Schöner hätte man sich die Feier zum 1.Mai musikalisch kaum vorstellen können: Im Bürgersaal des Alten Rathauses stand einer der frühesten deutschen Hammerflügel, ein Instrument Johann David Schiedmayers aus der Jahr 1783, vor dem Spitzbogenfenster, das sich in eine romantische Mailaube verwandelt hatte, und rund 50 Musikfreunde genossen  zwei Stunden lang einen harmonischen, abwechslungsreichen Gang in Tönen  durch den idyllischen Garten des Johann Friedrich Reichardt. Den hatten Sylvia Ackermann am Hammerflügel und die Sopranistin Barbara Bieber aus Halle nach Miltenberg verlegt – eine „Täuschung“, die perfekt glückte.

Beeindruckend und klug durchstrukturiert: das Programm. Die Pianistin hatte die einzelnen Blöcke mit Liedern Goethes in der Vertonung von Johann Friedrich Reichardt geschickt mit Instrumentalstücken aus dieser Übergangszeit zwischen Wiener Klassik und Romanik verbunden: Perlende Allegrotöne Johann Christian Bachs stimmten elegant auf den Frühling ein, wobei Sylvia Ackermann die Klangschönheit des Hammerflügels voll zur Geltung brachte, seinen warmen und eleganten Ton, der den Bürgersaal in einer Art zurückhaltender Intensität klanglich füllte. Eine Entdeckung: Zwei Sätze aus der D-Dur-Sonate von Josef  Mysliveček, Freund von Mozart, den seine Zeitgenossen den „göttlichen Böhmen“ nannten – die Zuhörer in Miltenberg ahnten nach diesem Feuerwerk aus Eleganz, Leichtigkeit und Facettenreichtum, warum das so war. Der Hammerflügel leitet immer wieder stimmungsmäßig kongenial zu den Liedern über: Ernst Wilhelm Wolfs hingehauchtes Larghetto bereitete Goethes „Klage“ den Weg, dem „Wer nie sein Brot mit Tränen aß“, Johann Koželuchs bewegtes Allegro führte bruchlos zur „Rastlosen Liebe“, zum „Dem Schnee, dem Regen, dem Wind entgegen“.

Eine kongeniale Pianistin an einem wunderbaren Instrument begleitete in diesem Konzert eine Sopranistin, die für diese Literatur die Idealbesetzung darstellt. Barbara Bieber hat einen warmen, angenehmen lyrischen Sopran, der auch die Höhen souverän bewältigt und sich durch eine bewundernswert klare Artikulation auszeichnet. Ohne überzogene Selbstdarstellung interpretierte sie die Stimmungswechsel in den Goethe-Liedern überzeugend, brachte die Frische des „Durch Feld und Wald zu schweifen“ genau so auf den Punkt wie die Mischung aus Trauer und Trotz in „Zu lieblich ist’s, ein Wort zu brechen“ und die Innigkeit in „Wanderers Nachtlied“ beim „Der du von dem Himmel bist“. Ihre intensive, dennoch stets natürliche Interpretation passte ideal zu Reichardt Vertonungen der Gedichte, bei denen die dienende Funktion der Musik im Zentrum steht, die sich oft darauf konzentrieren, die Texte des „Olympiers“ Goethe ansprechend zu illustrieren. Kein Wunder, dass Goethe Reichardt besonders schätzte, während ihm beispielsweise die Vertonungen eines Franz Schubert zu viel Eigenständigkeit, zu viel musikalische Brillanz aufwiesen. Diese „Gefahr“ bestand bei Reichardt nicht, der mit viel Sensibilität, mit viel Nähe zum Volkslied die Goethetexte mit seiner Musik zur Geltung brachte, sie „populär“ im besten Sinn werden ließ. Oder – in Reichardts Worten: „Das Lied soll der einfache musikalische Ausdruck einer bestimmten Empfindung sein.“

Dieses Zitat findet sich im Booklet der  CD, die unter dem Titel „Reichardt-Lieder“ als erste in der Reihe „audiodokumente“ erschienen ist. Nähere Informationen finden sich im Internet: www.claviersalon.de.


Die nächste Veranstaltung des Claviersalons findet am Freitag, 10.Juni, um 20 Uhr in Miltenberg statt. Dann wird Sylvia Ackermann zusammen mit Professor Gerhart Darmstadt (Arpeggione) im Salon in der Hauptstraße 52 auftreten.
 

Dr. Heinz Linduschka im Bote vom Untermain 3. 5. 2011

3. April 2011


Optisch-akustisches Gesamtkunstwerk mit Hackbrett und Hammerklavier
Silvia Ackermann und Margit Übellacker zelebrierten die
„Faszination der fliegenden Hämmer“


Als die letzten Töne der „Fliegenden Hämmer“ von Hackbrett und Hammerflügel am frühen Sonntagabend im stimmungsvollen Ambiente des Miltenberger „Claviersalon“ verklungen waren, dürfte sich so mancher der zahlreichen Besucher gefragt haben: Warum hat es so lange gedauert, bis es so etwas in Miltenberg gab? Tatsächlich haben Silvia Ackermann und Georg Ott in der Hauptstraße 52 ein kulturelles Kleinod ins Leben gerufen, das wie geschaffen scheint für das beschauliche Städtchen am Main. Es ist tatsächlich ein Gesamtkunstwerk, das längst seine eingeschworenen Liebhaber erobert hat: Authentische Klänge von historischen Instrumenten in einem hellen Raum mit Sandsteinmauer und Blick in einen Garten, der die Phantasie ins 18.Jahrhundert entführt: In Miltenberg hat der Claviersalon vergangener Jahrhunderte tatsächlich seine Wiedergeburt erlebt.


Das Schönste bei dieser Nostalgie im besten Sinn: die Qualität, die Innovationskraft und die Forscherlust, die bei jedem der Konzerte anspruchsvolle Musikfreunde auf ihre Kosten kommen lassen. Das war auch an diesem Sonntag so, als auf Hackbrett und drei historischen Hammerklavieren südliche Musik das 18. Jahrhunderts in Vollendung geboten wurde. Es begann mit der zarten, sanften Sonate in F-Dur am Hammerflügel von 1804, einfühlsam und technisch brillant von Silvia Ackermann als Hommage an gepflegte Kammermusik mit elegant perlenden Tönen zelebriert. Und es endete 90 Minuten später mit der Suonata Saltero des Carlo Monza, wieder auf dem süddeutschen Hammerflügel. Dazwischen lag eine faszinierende musikalische Reise durch alle Schönheiten und Facetten authentischer Musik voller Ausdruckskraft und mit manchmal verborgenem Reiz, der genaues Zuhören erfordert. Margit Übellacker war für die erkrankte Elisabeth Seitz am Hackbrett eingesprungen und schnell wurde klar: die gebürtige Niederösterreicherin, die mit ihren CD-Aufnahmen, ihren Konzerten in aller Welt und mit ihren renommierten eigenen Ensembles vor kurzem erst von einer Fachzeitschrift als „führende Expertin des Hackbretts“ bezeichnet wurde, war weit mehr als ein Ersatz. Dass es Silvia Ackermann gelungen ist, so kurzfristig eine derart kongeniale Besetzung zu finden, spricht dafür, dass der Claviersalon in Fachkreisen inzwischen einen guten Namen hat – weit über den Untermain hinaus. Was die Solistin am Hackbrett im „Folia“ eines Anonymus aus Barcelona aus ihrem Instrument herausholte, wie sie Tempo- und Dynamikwechsel zelebrierte, wie sie die Facetten zwischen warmen, einschmeichelnden Tönen und dann wieder verblüffend intensiven, manchmal fast metallisch harten Klängen ausspielte, wie sie mit dem Wechsel der Schlägel von Filz zu Leder alle Spielarten des Hackbretts in Vollendung vorführte, dürfte in Miltenberg dem Instrument neue Fans gewonnen haben.

Dass der Reiz solcher Konzerte nicht nur in brillanten Darbietungen der Solisten liegt, sondern vor allem im Zusammenspiel der Künstler und der historischen Instrumente zu finden ist, machten Silvia Ackermann und Margit Übellacker in der Entdeckung des Abends deutlich, in Melchior Chiesas „Suonata à due“: Zwei kraftvoll-frische begeisternd lebendige Allegrosätze, in denen die beiden Künstlerinnen ihre virtuosen Fähigkeiten voll zur Geltung bringen konnten, rahmen in diesem Werk einen fast gedämpften Largosatz ein und bilden damit ein Kunstwerk, in dem keine Stimmungsfacette, keine Ausdrucksvariante fehlt – ein Gesamtkunstwerk eben, wie der ganze Claviersalon.

13. März 2011


Auf der Suche nach dem Originalklang
Marc Reichow und Sylvia Ackermann spielen im Claviersalon
auf historischen Tasteninstrumenten


Die Faszination historischer Tasteninstrumente zu vermitteln und den Dialog zwischen Musik, Restaurierung und Forschung suchen, das sind die Ziele der »Macher« des Claviersalons Miltenberg. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass dieses Ziel erreicht ist - die »Tastenspiele«, das Konzert am frühen Sonntagabend im stimmungsvollen Atelier in der Hauptstraße 52 hätten ihn schlüssig erbracht. Sylvia Ackermann, die Pianistin und Botschafterin historischer Aufführungspraxis, präsentierte zusammen mit dem renommierten Künstler Marc Reichow zwei Stunden lang eine engagierten Suche nach dem Originalklang. Reichow hat in Köln und in Den Haag studiert hat und in Sachen Alter Musik europaweit einen genau so guten Namen hat wie als Interpret zeitgenössischer Musik. Zart und elegant Drei Instrumente, so alt wie die meisten der präsentierten Kompositionen, waren zu hören: der zarte Klang des Leipziger Tafelklaviers von 1775, die warmen, vollen Töne des Broadwood-Tafelklaviers von 1793 und Ackermanns Lieblingsinstrument, der süddeutsche Hammerflügel von 1805 - klangstark und variabel einsetzbar. Genau so spannend wie die Instrumente war die gewählte Literatur. Christoph Schaffraths »Duetto II a-moll« entpuppte sich auch nach 250 Jahren noch hörenswert. Der Komponist zaubert im Allegro zart und elegant höfischen Klang herbei und entwickelt im Adagio einen spannenden Dialog, sanft und anmutig, aber mit spürbarem Spannungsbogen zwischen den beiden Instrumenten. Ebenfalls eine Entdeckung: die »Sonate für zwei Claviere F-Dur« des ältesten Bach-Sohns Wilhelm Friedemann, in der zwei Allegrosätze, mal leicht und luftig, mal kraftvoll und pointiert, einen erfrischend unsentimentalen Andanteteil umrahmen. Beeindruckende Mischung Eine beeindruckende Mischung aus Eleganz, Schwerelosigkeit und virtuoser Brillanz beendete das Konzert: die »Grande Sonate pour deux pianoforte« des Friedrich Heinrich Himmel. Sein großer Zeitgenosse Ludwig van Beethoven hatte für ihn nicht viel übrig und urteilte, er besitze »ein ganz artiges Talent, weiter nichts«. Was allerdings Ackermann und Reichow boten, war eine wunderschöne Hommage an Himmel, der als Klaviervirtuose große Erfolge feierte und in seiner Sonate oft spüren lässt, dass für ihn der Beethoven-Sound tatsächlich eine Art Vorbild war. Eine Besonderheit in diesem rundum gelungenen Konzert ist noch zu nennen: Der Beweis, dass moderne Musik, genau so wie moderne Kunst, auch heute noch provozieren kann. Als die beiden Pianisten ein Werke von Steve Reich aus dem Jahr 1967 interpretierten, »piano phase for two pianos«, eine 20-minütige Komposition, die anfangs wie eine Endlosschleife eine einfache Tonfolge wiederholt und aneinanderreiht und dann beispielhaft vorführt, welche Effekte mit dem Mittel der Phasenverschiebung zu erzielen sind, konnte das einer der älteren Zuhörer des Konzerts nicht länger als eine Viertelstunde ertragen und verließ mit den Worten »Ihr müsst ohne mich weiter dudeln« den Raum. Schade, denn so entgingen ihm die spannenden Facetten der Summationsklänge, die durch die Phasenverschiebung entstehen. Diese feinen Nuancen fordern Konzentration und offene Ohren beim Zuhörer, entschädigen ihn dafür aber mit neuen, manchmal fast meditativen Eindrücken. Wem das noch zu wenig war, den entlohnten die beiden Künstler mit dem Andante aus Mozarts großer D-Dur-Sonate für zwei Klaviere, einer melodisch-sanften Komposition, die auch traditionelle Hörgewohnheiten restlos zufrieden stellte.


Heinz Linduschka, Bote vom Untermain, 15. März 2011

13. Feb 2011
Bericht über "Laura" -Lesung und Konzert  im Claviersalon Miltenberg

Es gibt Erlebnisse, die einen Schleier vor den geistigen Augen wegziehen und einen ganz neuen Bereich geistiger und seelischer Erfahrungen enthüllen. So das Konzert mit Rezitation zum Thema „Laura“ am vergangenen Sonntag im Klaviersalon.
Wer hat sich schon einen Begriff von der umfangreichen Gedichtsammlung des Francesco Petrarca, die einen Großteil der 366 Gedichte, davon 317 Sonette einer ideellen (oder virtuellen) Geliebten namens Laura widmet. Weil das Todesjahr dieser Angebeteten, das Jahr 1348 ein Schaltjahr war, entsprach jedem Tag dieses Jahres ein Gedicht. Inwieweit der Name „Laura“ einer tatsächlich lebenden Person gehörte (vielleicht Laura de Noves) oder einem Wortspiel mit dem 1341 lorbeergekrönten Dichter Petrarca (Poeta laureatus) entsprungen war, ist bis heute nicht geklärt.
Tatsache bleibt, dass diese 366 Gedichte einer unerfüllten Liebessehnsucht entstammen. Sie wurden in der Sammlung „Canzoniere“ zum grundlegenden Bestandteil der italienischen Literatur der Renaissance, die den Dichter Petrarca zu einem der größten Dichter Italiens haben werden lassen und deren Texte zahlreiche Komponisten aller folgenden Zeiten inspiriert haben.

Professor Peter Rasky trug diese sehr fernen Texte von unerfüllter Liebe und von der Sehnsucht nach dem befreienden Tod ohne Pathos, lebens- und empfindungsnah vor, verband die Inhalte mit entsprechenden Passagen aus Gedichten von Goethe und vor allem von seinem Lieblingsdichter Heine. Während diese sich jedoch schon bald durch Ironie und Distanz dem Liebesleid entzogen, gab sich Petrarca diesem jedoch ausgiebig und vollends hin. Die Übersetzung der ursprünglich klangvollen Altitalienisch von Jürgen von Stackelberg verzichtete auf gereimte Nachdichtung und konnte so sehr nahe am altitalienischen Originaltext bleiben.

Dass die Musik des 16.und 17. Jahrhunderts, die der Cembalist Florian Reuthner für das Konzert ausgesucht hatte, zu diesen 300 Jahre älteren Texten passte, liegt daran, dass es bis in die Epoche des Barock die dichterische Tradition des „Petrarkismus“ gab, eine ästhetisch stilisierte Liebesdichtung, die in Motiv und Form an Petrarca anknüpfte. Zahlreiche Musiker dieser Zeit wie auch Claudio Monteverdi vertonten die Texte des Petrarca in ihren Madrigalen. Auch in die Instrumentalmusik für die frühen Formen des „Clavieres“, der cembaloartigen Instrumente, finden sie Eingang: So spielte der Cembalist Florian Reuthner ein Madrigal und ein Capriccio o Ricercar über das Sonette Nr. 22 „Con lei foss’io“ aus der Petrarcasammlung von Andrea Gabrieli. Weiterhin wurden die rezitierten Texte umgeben von Partiten über berühmte und allgemein bekannte Liedthemen der Renaissance wie „Ruggiero“ oder „La Folia“ von Ercole und Bernardo Pasquini, und von Girolamo Frescobaldi. Diese Variationsformen geben dem Cembalisten die Möglichkeit, in den einzelnen Teilen (Partes) fantasievolle Variationen einer damals bekannten Melodie farbig darzustellen, was bei nur einer Klangfarbe nur einem wirklich guten Cembalisten gelingt. Mehr Freiheit der Interpretation und Gelegenheit zum Einsatz überlegener Spieltechnik gewährten die Toccaten von Claudio Merulo und von Michelangelo Rossi dem Interpreten, denn diese wechseln für den Hörer überraschend äußerst virtuose Passagen mit ruhigeren sanglichen Stellen.

Gleich zwei neue Instrumente stehen im Claviersalon bereit, solche Werke der Renaissance und des Barock authentisch darzustellen: ein von Georg Ott gerade eben erst wunderschön gefertigtes Cembalo nach italienischen Vorbild mit einem erstaunlich vollen, silbrigen Klang und ein schon gut eingespieltes, sanfter klingendes Spinett. Floria Reuthner bewältigte souverän die Widerstände des noch nicht eingespielten sensiblen Instruments und kontrastierte dessen Klang wirkungsvoll mit dem weicheren Spinettklang, die beide den Raum des Claviersalons mit silbrigem, heute selten gehörtem Klängen füllten und die Hörer im Ambiente eines intimen Hauskonzertes verzauberten.


Albert Elbert, Bote vom Untermain, 15 Februar 2011
square piano


1. Jan 2011
Albert Elbert, Bericht über das festliche Neujahrskonzert
am 1. 1. 2011 im Alten Rathaus Miltenberg


Sylvia Ackermann- Fortepiano

Dass ein Blizzard in Nordamerika Auswirkungen auf ein Konzert in Miltenberg haben könnte, das hat es bisher wohl noch nie gegeben. Am Neujahrstag 2011 trat dieser unwahrscheinliche Fall doch ein: zwei Drittel des Claviertrios, die im festlichen Neujahrskonzert Werke von Mozart und Zeitgenossen spielen wollten, blieben im New Yorker Flughafen hängen, den der Schneesturm lahmgelegt hatte. Die Verantwortlichen des Miltenberger Claviersalons, die Pianistin Sylvia Ackermann und der Instrumentenbauer Georg Ott standen vor der Aufgabe, innerhalb weniger Tage nach Weihnachten ein Programm zusammenzustellen und einzuüben, um ihr Publikum nicht zu enttäuschen. Statt in den Tagen nach Weihnachten in Ruhe sich auf das Konzert der Gäste freuen zu können, die sogar einen eigenen Flügel mitbringen sollten, hatte Sylvia Ackermann mit dem Gastpianisten in kürzester Zeit ein neues Programm einzuüben, während Georg Ott Tag und Nacht arbeitete, um den eigentlichen Star des Konzerts, den erst im November angeschafften Bösendorfer-Flügel von 1845 spielfertig zu machen.

Auch Christoph Hammer, Professor für historische Tasteninstrumente an der University of North Texas, USA, der wegen anderer Konzerte dem Blizzard zuvorgekommen war, betonte die Bedeutung dieses Instrumentes für die Besonderheit dieses Konzertes, da er durch seine Ausrichtung am Wiener Klangideal seiner Entstehungszeit wie wenig andere Instrumente den authentischen feurig, versponnenen Klavierklang der Deutschen Romantik repräsentiere.

Das gebotene Programm entsprach ganz und gar dem Konzept des Claviersalons: vor allem Werke weniger bekannter Komponisten und kaum gespielte Werke bekannter Musiker auf Instrumenten ihrer Zeit vorzustellen. So begann der Abend mit einem vierhändig gespielten „Adagio“ und einer „Mazurka“ von Carl Maria von Weber. Darauf zeichnete Christoph Hammer sehr ausdrucksstark die poetische Welt der „3 Romances sans paroles“ („Lieder ohne Worte“) und zweier improvisationsartiger Werke von Robert Schumann mit der großen, aber weichen Klangpalette dieses „neuen“ Flügels. Den ersten Teil beschloss wieder ein Werk für vier Hände von einem Stiefbruder Clara Schumanns, dem zu Unrecht vergessenen Woldemar Bargiel, der dreisätzigen Sonate op. 23, die alle klanglichen Möglichen des Flügels beispielsweise auch durch Lagenwechsel und interessante Steigerungen nutze. Nach der Pause fing Christoph Hammer den Zauber der Weihnachtszeit ein, indem er eine noch nie gehörte Fantasie über „Schlaf wohl, du Himmelsknabe du“ und „Die Engel und die Hirten“ von Paul Zilcher spielte. Vierhändig gab es zwei ganz und gar romantische Charakterstücke „Schmerz im Glück“ und „Die Quelle“ von einem uns unbekannten Komponisten Adolphe Henselt, der gekonnt die Möglichkeiten des vierhändigen Spiels nutzte, indem er die Wasser der Quelle in der Mitte des Klanges in Achtelläufen sprudeln ließ, worüber im glitzernden Klang die sich darin spiegelnden Sonnenstrahlen zu hören waren. Ein die Hörer besonders beeindruckender Beitrag, eine Überraschung, da auf dem Programmzettel nicht angekündigt, war die Aufnahme einer Tradition der Konzerte der Romantik: eine aus dem Stegreif improvisierte Komposition durch Christoph Hammer. Dabei erwies dieser sich als profunder Kenner romantischer Kompositionstechnik und er nutzte wie seine historischen Vorgänger eine solche Gelegenheit, seine technische Versiertheit vorteilhaft einzubringen. Das letzte vierhändige Werk des Komponisten Niels W. Gade aus dem Bekanntenkreis von Robert Schumann gab Spielern wie Hörern ein Rätsel auf, denn die wörtliche Bedeutung von „Bortreisen“, „Valpladsen“ und „Hjemkomsten“ konnten alle nur aus dem Klang der Musik erraten. Wie bei allen Werken zu vier Händen bewies Sylvia Ackermann ihre besondere Fähigkeit zum gemeinsamen Musizieren, dank ihrer überlegenen Technik gerade auch unter solchen erschwerten Bedingungen. Der als Zugabe gespielte Walzer „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauß rekrutierte spontan ein Ballett aus den Reihen der Hörer, die Walzer tanzend zur Festlichkeit des trotz Blizzard beeindruckend gelungenen Neujahrskonzerts ihren Beitrag leisteten.

Albert Elbert, Bote vom Untermain 2011

10. Okt. 2010
fortepiano
Sylvia Ackermann - Fortepiano
Judith Freise - Barockvioline
"Der schwedische Mozart im Claviersalon"

Der Auftakt des neuen Konzertzyklus 2010/11 bescherte dem Claviersalon Miltenberg ein volles Haus, haben doch die Veranstalter das erste Konzert den Musikwerken und Briefen des großen, in Miltenberg geborenen Musikers Joseph Martin Kraus gewidmet. Seine Musik, gemischt mit Texten zu seinem Leben und mit Zitaten aus seinen aufschlussreichen Briefen vermittelte den Besuchern ein deutliches Bild seiner Gedanken und seiner musikalischen Größe. Wie schon häufig, zeigte auch dieses Konzert im Claviersalon, wie einseitig die offizielle Lehre der Musikgeschichte informiert und wie viel große Musik im Sand der Geschichte begraben liegt, ein Schicksal, das selbst Bach getroffen hätte, wäre nicht Mendelssohn auf seine Werke aufmerksam geworden und hätte sie durch Wiederaufführungen der Vergessenheit entrissen. Wer das Rondo in F-Dur und vor allem auch die Violinsonate in C-Dur von Kraus an diesem Abend hören konnte, wie immer im Claviersalon auf Instrumenten aus der Entstehungszeit der Werke gespielt, der kann sich nur wundern, dass solche Musik über hundert Jahre nicht mehr gespielt und gehört werden konnte. Man nennt Joseph Martin Kraus den „schwedischen Mozart“, nicht nur wegen nahezu gleicher Lebensdaten, er ist bei seiner Erfindungskraft ganz nahe bei Mozart: so das wundervolle Thema des Rondo, dessen phantasievolle Zwischenteile, vor allem auch die Violinsonate, in denen er wie Mozart dem Klavier den größeren Part zuweist, die eine erstaunliche geistige und künstlerische Kraft aufzeigen mit phantasievoll fröhlicher Musik der schnellen Sätze und mit wundervollen Melodielinien in langsamen Sätzen, die viele Zuhörer mit geschlossenen Augen genossen. Sylvia Ackermann war auch an diesem Abend bestens vorbereitet, sie bewältigte die technischen Probleme mit großer Leichtigkeit, sie spielte aber auch die sanglichen Partien sehr sensibel aus und sie war eine aufmerksame und zuverlässige Partnerin für die Barockvioline spielende Judith Freise. Diese erwies sich als sehr einfühlsam spielende Musikerin, im kleinsten Bereich gestaltend wie eine Sängerin, zupackend virtous in den schnellen Passagen. Dieses gekonnte Zusammenspiel war wieder zu hören in der Violinsonate G-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, die gleichsam als Spiegel zu der Sonate des „schwedischen Mozarts“ nach der Pause gespielt wurde und die bewies, dass beide Zeitgenossen künstlerisch auf gleicher Höhe standen, was jedenfalls ihr großer Zeitgenosse Joseph Haydn wusste, der den fast gleichzeitigen frühen Tod beider jüngerer Kollegen gleichermaßen „als unersetzlichen Verlust für die Musik“ beklagte. Als Seele des Konzertes erwies sich das Adagio h-moll von Mozart, das Sylvia Ackermann mit großer Sensibilität auf dem im gleichen Jahr seiner Entstehung gebauten Schiedmayer- Flügel gleichsam vorsang. In Konzerten, die Musik und Text verknüpfen, ist immer wieder zu erleben, wie beide Anteile voneinander profitieren. Für diesen Abend hatte sich Franz-Josef Döring sehr intensiv um erreichbare Texte von Joseph Martin Kraus gekümmert, aus denen er zitierte. Wie so häufig sind es gerade Briefe, die es dem  heutigen Hörer ermöglichen, einer lange verstorbenen Person wie einem Zeitgenossen näher zu kommen. In Berichten von der Reise nach Italien, Paris und London, wenige Jahre vor Goethes erster Italienreise, nahezu auf gleicher Strecke, berichtet Kraus oft sehr ausführlich alltägliche Erlebnisse, Einschätzungen zeitgenössischer Kollegen, kritisch distanzierte Darstellungen kurioser kirchlicher Zustände in Rom, wo beispielsweise in Maria Maggiore während einer vom Papst zelebrierten Christmette ein Mensch erstochen wurde, was wegen Kirchenasyl nicht verfolgt werden konnte. Aber auch Erinnerungen an Amorbach und Miltenberg brachten den Konzertbesuchern den Menschen Joseph Martin Kraus sehr nahe. Mit einem „schwedischen Tanz“ von Kraus, gespielt von Sylvia Ackermann auf dem ältesten Instrument des Claviersalons, einem Tafelklavier von 1775, endete dieses rund konzipierte, ergreifende und informative Programm

Albert Elbert, Bote v. Untermain, 12.10.2010
organ

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16. Jul 2010


"Clavimania" Christoph Hammer am 16. Juli 2010


Kleinode der Romantik ergreifend authentisch
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Professor Christoph Hammer präsentiert Bekanntes und Vergessenes auf restauriertem Graf- Flügel Zwei besondere Protagonisten haben am Freitag abend das Konzert im Miltenberger Claviersalon von Sylvia Ackermann und Georg Ott gestaltet: Pianist Professor Christoph Hammer und der von Ott frisch restaurierte Hammerflügel Conrad Grafs von 1839. Das Instrument bot ein ergreifendes authentisches Klangbild der Werke der Romantik.
Christoph Hammer, der in Denton bei Dallas/Texas Cembalo und Hammerflügel lehrt, begann das Konzert mit kleineren, heute wenig geläufigen Werken - darunter zwei Charakterstücke von Josephine Lang, einer zu ihrer Zeit recht bekannten Komponistin und, wie bei der „Romance“ und dem „Nachtgesang eines Gondoliers“ zu hören war, durchaus zu Recht. Zwei „Lieder ohne Worte“ von Fanny Hensel, der Schwester von Felix Mendelssohn- Bartholdy, überraschten durch ihr dichtes harmonisches Geflecht, das auch den Verlauf der Melodien bestimmte. Aber auch andere Komponisten sind zu Unrecht aus dem Gesichtsfeld der Musikgeschichte entschwunden. So auch die folgende „L‘invocation“ („Anrufung“) von Johann Ladislaus Dussek. Dieses große und gewiss allen Besuchern unbekannte Werk machte den Hörern begreiflich, warum der Abend „Clavimania“ („Raserei am Klavier“) überschrieben war: es entfaltete sämtliche Klangvorräte des Instruments von der Anfrage in kräftigem Forte und düsterem Moll des ersten Satzes, der im Mittelteil mit einem lichten Dur beantwortet wird, zum Dialog bis hin zum Rondo im vierten Satz, gleichsam als Antwort auf die „L‘invocation“, der Bereitschaft zum Aufbruch. Für Professor Christoph Hammer ist die Form des ungezwungenen Musikhören im
salonartigen Ambiente eine besonders intensive und zukunftsweisende Möglichkeit der Auseinandersetzung mit Musik. So gehören die in der Pause servierten Köstlichkeiten zur ungezwungenen Art des Miltenberger Claviersalons, Musik zu vermitteln.
Im zweiten Konzertteil präsentierte Hammer Schumanns Kinderszenen komplett. Niemand von den Anwesenden hatte die Sätze wie „Bittendes Kind“, „Haschemann“ und natürlich die berühmte „Träumerei“ je in einem solch authentischen Klang gehört. Und es ging weiter mit Franz Schubert: dem mittleren der drei Werke op. posthum in einem weichen, singenden Es-Dur, kontrastiert von Zwischenteilen, welche die Clavimania des Dussek-Werkes aus dem ersten Konzertteil wieder aufnahmen. Nach Zugaben des „Impromptus“ Ges-Dur und eines mit Sylvia Ackermann vierhändig gespielten „Deutschen Tanzes“ war für alle Besucher ein wundervoller Sommerabend mit romantischer Klaviermusik gesättigt.
Der von Hammer bespielte Graf-Flügel überraschte das Publikum mit einem großen Klang im Mittelbereich der Tastatur und mit klaren, obertonreichen Bässen. Im 19. Jahrhundert war im Gegensatz zum heutigen Klavierbau jedes Instrument eine Eigenpersönlichkeit. „Die Begegnung mit einem solchen Instrument ist wie das Kennenlernen eines Menschen“, erklärte Hammer. Diese individuell klingenden Instrumente wirken durch ihre Eigenart sogar mit bei der Interpretation eines Werkes. Die heutige Beschäftigung mit historischen Instrumenten ist wie eine Entdeckungsreise in eine neue, in die wirkliche Klangwelt solcher Musik. So haben diese historischen Klavier zum Beispiel Einrichtungen wie den „Moderatorzug“, der durch Einschieben eines Filzstreifens zwischen Hammer und Saite besonders weiche, abgedunkelte Klänge ermöglicht, die auf modernen Instrumenten so nicht erzeugt werden können...
Albert Elbert, Bote vom Untermain, 19. Juli 2010
clavimania
19. Juni 2010

Clavier-Sommer-Nacht 2010 im Claviersalon Miltenberg

Sylvia Ackermann- Fortepiano

Gewiss war ein Höhepunkt der monatlichen Veranstaltungen im Miltenberger Claviersalon die Clavier - Sommernacht am vergangenen Samstag. Mit drei Stunden Dauer war es zugleich auch die längste Veranstaltung, die Sylvia Ackermann und der Klavierbauer und Restaurator Georg Ott ihren Besuchern je geboten haben.
Für das Durchhaltevermögen der Hörer sorgte ein delikates Buffet, an dem man sich in den Pausen zwischen den drei Konzertteilen bedienen konnte.
Wie schon häufig gesellten sich auch diesmal zu Sylvia Ackermann zwei besondere Künstler, ausgewiesene Spezialisten auf ihren jeweiligen Gebieten.
Was jeder Zuhörer nach diesem Konzert wusste: unser lapidarer Begriff „Alte Musik“ für alles von der Barockzeit zurück bis zur Gregorianik ist so ungenau, als wolle man alle Musik von der Klassik bis heute mit „Neuer Musik“ bezeichnen. Im hörenden Kontakt mit den vielfältigen Gestalten dieser zahlreichen Epochen lernte man den stetigen Wechsel von gewachsener Tradition und der für eine weitere Entwicklung notwendigen Gegenreaktionen genauer zu unterscheiden: der erste Konzertabschnitt zeigte eine Facette der Musik des 13. Jh (ital. Trecento), Beispiele von Balladen, Liedern und Tänzen aus Handschriften dieser Zeit; danach spielte Sylvia Ackermann Phantasien und ein Rondo aus der (frühen) Klassik, und im dritten Teil waren Werke für Cembalo aus dem Frühbarock zu hören.

Man könnte meinen, hier habe man beliebig drei sehr verschiedene Bereiche der Musik aneinandergereiht. Doch alle drei Zeiten haben gemeinsam, dass die jeweilige Musik „Neue Musik“ ist: ars nova, seconda prattica, Zeit der Empfindsamkeit. In allen drei Epochen trennten sich Musiker von der herrschenden Praxis, hochkomplizierte Mehrstimmigkeit zu komponieren und sie setzen dagegen die einstimmige Melodie mit nebengeordneten Begleitstimmen. Textverständlichkeit wird wichtig, Klarheit der Form und vor allem die empfindsame Darstellung und Ausdeutung der Textinhalte. Und immer in der Geschichte der Musik haben solche Loslösungen auch zu tun mit der Abkehr von einer kirchlichen Vorherrschaft mit ihren Vorschriften hin zur Freiheit der Gegenreaktion und zur Möglichkeit der Weiterentwicklung bei der weltlichen Musik.

So hätte die Überschrift über dem dritten Teil des Konzertes für den gesamten Abend stehen können: „Affetti“ – Gefühle, Leidenschaften.

Martin Erhardt aus Halle (Saale), Blockflötist, Cembalist und Sänger, zeigte seine gründliche Kenntnis der Musik des Mittelalters und der Renaissance auf für heutige Hörer ungewöhnlichem Instrumentarium. Den Anfang machte eine Ballade aus einem Codex um 1360, gespielt mit der rechten Hand auf der „Einhandflöte“, wobei die linke einen korrespondierenden Rhythmus auf einer umgehängten Trommel schlug. Dieses Stück begann im Nebenraum und vermittelte so den Eindruck eines herannahenden Spielmanns, der dann auf dem Marktplatz sein Konzert gibt und mit dem letzten Stück „La Rotta Istampitta“ wieder weiterzieht. Dazwischen gab es die Kombination Gesang mit Portativ (2 Stücke aus dem Codex Squarcialupi) zu hören: das Portativ kennen viele aus späteren Darstellungen der Hl. Cäcilia, es ist eine kleine Pfeifenorgel (Organetto), auf deren Tasten man mit einer Hand musiziert, währen die andere Hand den kleinen Blasebalg auf der Rückseite des Instrumentes bedient. Eine beeindruckende Musizierweise, wie sie wohl kaum einer der Besucher je erlebt hat. Das dritte Instrument dieses Konzertabschnittes war der Nachbau einer von drei erhaltenen Flöten aus dem Mittelalter (gefunden unter Bauschutt im Burggraben der Ruine zu Dordrecht, NL). Erhardt zeigte bei all diesen Stücken, wie lebendig und virtuos solche Musik zu spielen ist und wie bewegend sie so musiziert auf heutige Menschen wirken kann.
Nach der Pause spielte Sylvia Ackermann auf ihrem Hammerklavier zwei Phantasien und ein Rondo der (frühen) Klassik. Die erste Phantasie hatte zudem den Titel „Empfindungen des C. Ph. Emanuel Bach”. Wie in der folgenden unbekannten weil unvollendeten Phantasie von Mozart wechselten ruhige Passagen unvermittelt mit rauschhaften, wilden Tonketten, um plötzlich wieder einer anderen, gegensätzlichen musikalischen Idee Platz zu geben. Intensiver kann man gegensätzliche und plötzlich wechselnde „Affetti“ nicht darstellen. Das am meisten ausgeglichene Werk dieser drei war dann das Rondo des Joh. Christian Bach, was natürlich auch an seiner Form, dem immer wiederkehrenden Rondoteil liegt, der etwa stürmischere Zwischenpassagen wieder befriedet.
Sylvia Ackermanns Darstellung dieser Musik, bei der sie all ihre technische Versiertheit und intensiven Gestaltungswillen einbrachte, macht auch dem heutigen Hörer klar, wie diese Musik der Bachsöhne und ihrer Zeitgenossen die komplexen kontrapunktischen Gebilde des Hochbarock gleichsam über den Haufen fegte.

Einen dritten, gleich hochwertigen Teil des Konzertes bot Florian Reuthner. Auch bei ihm muss man den Veranstaltern hoch anrechnen, dass sie die Konzertbesucher wieder einmal mit einem wichtigen Musiker, noch dazu einem aus unserer Region (Aschaffenburg, Musiklehrer in Erlenbach) bekannt gemacht haben. Er hat sich nach dem Schulmusikstudium in Studien und Kursen auf das Cembalospiel, die Aufführung der Musik früherer Epochen und auf Chorleitung spezialisiert.
An diesem Abend spielte er sehr kenntnisreich Werke des 17.Jh. auf einem eben erst fertiggestellten Cembalo von Georg Ott (wunderschön gestaltet in Anlehnung an Vorbilder des 16. Jh.) und auf dem silberhell klingenden Virginal der Kantorei St. Jakobus Miltenberg. Diesem Konzertabschnitt war als Überschrift „Affetti“ – menschliche Leidenschaften vorangestellt worden, wie sie die Komponisten Frescobaldi und sein Schüler Froberger, aber auch der spätere Pachelbel in dem weltlichen Variationswerk Hexachordum Apollinis mit ihrer Musik zum Ausdruck bringen. Obwohl alle diese Komponisten als Kirchenmusiker (z. B. am Petersdom) tätig waren, schrieben sie (wegen der freieren Entfaltungsmöglichkeit) zahlreiche weltliche Werke und sie waren sich ihrer Virtuosität und ihres Wertes durchaus bewusst. Das bezeugen Anmerkung wie die von Frescobaldi: „Verstehe mich, wer kann, ich verstehe mich“ oder „Wer diese Bergamasca spielt, wird nicht wenig lernen!“

Sollte jemand den großen Bogen der „Affetti“ dieses Abends noch nicht begriffen haben, so gab die Zugabe ein leicht fassbares Lehrstück in Form einer Improvisation, bei der die Musiker Erhardt und Reuthner mit Flauto dolce und Cembalo Gefühle aus dem Stegreif musikalisch darstellten, die ihnen die Hörer auf Zetteln angegeben hatten. Es waren „Melancholie“, „Glück“, „Ausgelassenheit“, „Wut“ und „Hoffnung“.

Albert Elbert Boten vom Untermain am 22. 6. 2010
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11. April 2010

Musik in Reichardts- Garten am 11. April 2010
Lyrischer Sopran nimmt mühelos die Höhen
Barbara Bieber brilliert im Claviersalon
Sylvia Ackermann- Fortepiano

Zu einem sehr gut besuchten Liederabend im Claviersalon lud die bekannte Pianistin und Organistin Sylvia Ackermann ein. Die aufstrebende junge Sopranistin Barbara Bieber sang liebliche und erfrischende Frühlingsweisen von Johann Friedrich Reichardt und dessen TochterLouise mit romantischem Schmelz und feiner Stimmkultur. Köstlich und feinsinnig Reichardt, letzter Hofkapellmeister des Preußenkönigs Friedrichs des Großen, gilt zu Recht als kompositorischer Vorgänger Franz Schuberts, mögen seine Lieder auch nicht die dramatischen Akzente und Inhalte des berühmten Wieners besitzen. War der gebürtige Königsberger den meisten nur als Autor des innigen Weihnachtsliedes „Heilige Nacht“ bekannt, gelangt er nun zu spätem Ansehen durch seine köstlichen und feinsinnigen
Tondichtungen. Reichardts beschwingter Melodienreigen begann mit „Der Musensohn“, „Frühzeitiger Frühling“, „Schäfers Klage“ voller Elegie, ja Wehmut, und dem spannenden „Frühlingsorakel“ mit seinen schönen Visionen. Barbara Bieber spürte dem Geheimnis erwachender Natur mit ihrer jugendfrischen, schönen Stimme bei guter Artikulation und makelloser Höhe nach.
Prachtvoller Hammerflügel Auch die Texte und Melodien von Reichardts Tochter Louise, wie „Liebe“, „Im Walde“, „Lilie“ und „Bettelei der Vögel“ verströmten romantisches Hochgefühl, Landschaftsliebe und übermütige Lebensfreude. Zwischendurch entzückte Sylvia Ackermann mit Kleinodien wie dem Vivace A-Dur des Italieners Pietro Domenico Paradisi, mit der farbigen, wunderbar herausgearbeiteten Sonate G-Dur des Böhmen Franz Benda und mit dem packenden Rondo Es-Dur des jüngsten Bach-Sohnes Johann Christian auf ihrem prachtvollen Hammerflügel. Weitere Glanzpunkte des wunderschönen Liederabends waren Johann Friedrich Reichardts Liedsätze „Wechsel“, „Die Spinnerin“, „Der Junggeselle und der Mühlbach“ sowie das szenische Stück „Johanna Sebus“. Bei dem Werk „Wechsel“ gefiel die herrliche Diktion. Leicht
und anmutig kam „Der Junggeselle und der Mühlbach“ bei den Zuhörern an. Mit einigen Zugaben dankte ihnen die Sängerin, die in Sylvia Ackermann eine kongeniale Begleiterin am Hammerflügel gefunden hatte. Die frischgebackene Studienrätin und Musikerzieherin an einem Schweinfurter Gymnasium könnte eine große Zukunft als Liedsängerin haben.
Wolfgang Tulaszewski,  Bote v. Untermain 13.04.2010
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6. März 2010

"Fantasie Exotique"- Exotischer Abend im Claviersalon
Sylvia Ackermann und Wolfgang Eckert, Fortepiano

Das Konzert im Miltenberger Claviersalon von Sylvia Ackermann und Georg Ott am Samstag entführte zahlreiche Zuhörer mit dem Programm „Fantasie exotique“ in fremde Länder und Regionen. Die Pianistin Sylvia Ackermann spielte zusammen mit ihrem Gast Wolfgang Eckert aus Nürnberg auf historischen Tasteninstrumenten wie dem Hammerflügel von Johann David Schiedmayer aus dem Jahr 1783 und einem Tafelklavier von Christopher Ganer aus dem Jahr 1775. Außerdem spielten die Musiker auf einem anonymen Hammerflügel aus dem Jahr 1805. Die Reise in die Wüste begann mit der Ouvertüre zu Mozarts Oper „Entführung aus dem Serail“ auf dem Schiedmayer-Flügel.
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Ernsthafter und verträumter klangen die Werke des französischen Komponisten Felicien David. In „La nuit“ aus „Brises d‘orient“ bezauberten klangliche Eindrücke von einer Nacht in der Wüste die Zuhörer. Wolfgang Eckert entlockte dem Schiedmayer- Flügel weiche Akkordklänge, über die Sylvia Ackermann auf dem englischen Tafelklavier zarte Melodiegebilde legte. Höhepunkt des ersten Konzertteils war der Fandango des spanischen Komponisten Padre Antonio Soler. Darin gibt Soler den typischen Klang von Kastagnetten, Gitarren und Schellen mit ungewohnten Kompositionsmitteln auf dem Klavier wieder. Ackermann spielte das Werk mit versierter Technik, Engagement und Freude.Nach der Pause kam man ans Ziel der Reise. Zu den klanglichen Eindrücken von Orient, Wüste und Sternenhimmel. Der Klang der historischen Instrumente wurde verstärkt und mit Synthesizerklängen aus dem Computer kombiniert. Wolfgang Eckert wirkte nicht nur als Pianist mit, sondern komponierte auch elektronische Klänge. Dieses klangliche Experiment war für die meisten Zuhörer höchst ungewohnt. Erfreulich ist doch, dass sich ein Claviersalon mit historischen Instrumenten nicht von der heutigen Musik abkoppelt, sondern die historischen Klänge mit denen unserer Zeit zusammenführt. Dieser Umgang mit Musik mag zunächst aus angenehmen Hörgewohnheiten reißen, sie gibt der alten Musik Frische und macht sie zu einem Musikereignis.

Bote vom Untermain, 11. März 2010
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7. Feb 2010

Werkstattkonzert, 
Selten flirrend schöner Klang auf historischem Instrument
-Restaurator Georg Ott stellt Schiedmayer-Flügel vor-

Sylvia Ackermann,Fortepiano

Ein Konzert, das besonderen Hörgenuss bot und auch zum Anfassen war, präsentierten  Sylvia Ackermann und der Restaurator Georg Ott. Während Ackermann auf dem Flügel spielte, stellte Ott das Instrument vor.
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Die Besucher waren begeistert, berührt und bewegt von der Musik auf dem rund 230 Jahre alten Flügel. Der einmalige, flirrend schöne Klang des Instrumentes faszinierte sie und schon in der Pause umringten die Gäste das historische instrument und schauten vorsichtig hinein. Wie reichtönig, sanft und schmelzend die Töne dieses Instruments klingen, zeigte Sylvia Ackermann mit dem Allegro a-moll von Carl Philipp Emanuel Bach. Auch sie musste sich erst einmal mit dem Flügel vertraut machen. Schon die Tochter des berühmten Flügelerbauers Johann Andreas Stein sagte: „Dieses Klavier erfordert eine leichte Hand, elastischen Fingerdruck und ein fühlbares Herz.“
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Nach Ackermanns innig gespielter Sonate in D-Dur von Joseph Haydn und Dusseks Rondo „Les Adieux“, erklärte Ott, wie er den Flügel restauriert hatte. Am Ende des Konzerts zeigte er den Besuchern auch das Innenleben des Instruments.
Ackermann und Ott hinterließen ein tief beeindrucktes Publikum.
Bote vom Untermain, 9.2.2010
Tafelklavier

10. Jan 2010

Eine deutsche Hausmusik,

Gabriele Hierdeis, Sopran und Sylvia Ackermann, Hammerflügel
mit Werken von Haydn, Zelter und Mozart


Hausmusik um 1800 lässt an einen Musiksalon im Barockschloss denken. Der schlichte, von Mauerwerk und Balken dominierte Miltenberger Claviersalon ist gewiss kein Musikkabinett des 18. oder 19. Jahrhunderts. Doch seine salonartige Größe und die gute Akustik machten ihn am Sonntag geradzu zur idealen Bühne für Musiker und Instrument. Gabriele Hierdeis passte ihren Gesang optimal den salonartigen Ausmaßen des Raumes an, sang aber dennoch mit einer großen Palette plastischer Gestaltung. Sie bot leicht geführte Melodieketten bei Haydn, Zelter und Mozart, kristallklare Intonation, intensive, ausdrucksstarke Artikulation und zahlreiche wunderbare Einzelmomente. So in Zelters schöner Vertonung „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn“. Idealer könnte zu dieser perfekten, an historischen Bedingungen orientierten Interpretation ein Instrument nicht passen als ein Flügel aus der Entstehungszeit dieser Lieder: das siebte Instrument von Johann David Schiedmayer aus dem Jahr 1783.
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Der obertonreiche Klang des Instruments erinnert an den eines Cembalos, doch er ist durch die neue Hammermechanik fähig zur sensiblen, verinnerlichten wie zur zupackend dramatischen Darstellung. Dem Restaurator Georg Ott gelang eindrucksvoll die Wiederbelebung einer durchgehend einheitlichen, klangschönen Intonation.
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Das Konzert am Sonntag bot ein authentisches Erlebnis der Musik um 1800 von besonderer Qualität. Man fühlte sich zurückversetzt in die Musiksalons der im Konzert vertretenen Komponisten.
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Bote vom Untermain 12.01.2010

6. Dez 2009

Arpeggione und Hammerflügel

Sylvia Ackermann, Fortepiano & Gerhart Darmstadt, Barockcello

Zum Nikolaustag bescherte die Miltenberger Pianistin Sylvia Ackermann den Freunden edler Musik aus Stadt und Umgebung ein Musikpräsent ganz erlesener Art: in ihren Claviersalon hatte sie den Cellisten Prof. Gerhart Darmstadt eingeladen. Der Hamburger machte ein erwartungsvolles Publikum mit dem Instrument Arpeggione vertraut, einem Zwitter aus Gitarre und Cello, dessen eigenartig berührender Klang in Staunen versetzte. Nicht nur die Musik bewirkte dies, sondern auch die fesselnd dargelegten lehrreichen Ausführungen zum Instrument, zum Musikverständnis jener Epoche und nicht zuletzt zu Franz Schuberts empfindsamer Ausdruckskraft.

Musikalisch wurde das Konzert im voll besetzten Salon zu einem einmaligen Erlebnis durch das Zusammenwirken vom Originalklang des ungewöhnlich ansprechenden Arpeggione und des exzellenten Hammerflügels von 1805 in ausgezeichneter Akustik.

Auf Franz Schubert stimmte die Gastgeberin mit drei „Moment musicaux“ aus op. 94 ein. Virtous präsentierte sie glänzend dynamisch kontrastierend und voller Spielfreude die wechselnden Stimmungen des Komponisten. Traumbilder voller Bedrückung, Angst, Sehnsüchten, aber auch Heiterkeit und Wiener Charme. Höhepunkt des Konzerts war natürlich die Arpeggione-Sonate a-moll. Der Virtouse meisterte diesen Part mit Bravour zum Staunen der Zuhörer. Er offerierte im Einklang mit dem unbeschwert gespielten glockenhellen Hammerflügel Schuberts Gefühlswelt und Wiener Lebensart in allen Nuancen voller froher Kantilenen, aggressiver Launenhaftigkeit oder stiller Melancholie.
Bote vom Untermain, 8. Dezember 2010
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4. Sept. 2009

Konzert im Atelier,
Nah am Künstler und am Instrument sein, Musik greifbar und begreifbar machen: das ist das Konzept von Pianistin Sylvia Ackermann und dem Nürnberger Georg Ott, Restaurator für historische Tasteninstrumente. Den „Claviersalon“ im Hinterhof der Hauptstraße 52 hat die zusammen mit der Geigerin Judith Freise aus Frankfurt mit einem einstündigen Programm am Sonntag eingeweiht. Zur Kaffeezeit und vor vollem Haus spielten die hervorragenden Musikerinnen Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Martin Kraus. Der glockige Klang des Hammerflügels von 1805 war auch in der letzten Reihe zu vernehmen, ebenso die seidig und obertönig klingende Barockgeige aus dem Jahr 1680.
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Das kleine, feine Atelier tauften die beiden Betreiber „Claviersalon“. Im Moment stehen neun historische Instrumente darin, vier Flügel und fünf Tafelklaviere. Ott restauriert sie, Ackerman spielt auf ihnen. Das Atelier ist also Arbeits- und Auftrittsort
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Der Anfang zu einem kulturellen Glanzlicht für Miltenberg ist gemacht.

Bote vom Untermain, 6. Oktober 2009
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